Freiburg

Wie wichtig die Aufgaben eines Petitionsausschusses in Baden-Württemberg sind, kann man daran erkennen, daß sich der Ausschuß des Stuttgarter Landtags vor wenigen Tagen an höchster Stelle der Freiburger Gemarkung, nämlich auf dem Schauinsland traf.

Der Lokaltermin galt einem alten, einem achtjährigen Problem. Man schaut vom Schauinsland nicht mehr so recht ins Land. Der Freiburger Hausberg, der zum Teil noch auf der Stadtgemarkung liegt und 1284 Meter hoch ist – 800 Meter höher als die Stadt –, ist im Lauf der Jahre von schnellsprießenden Fichten zugewachsen. Bergahorn, Buchen und Fichten verwehren den begehrten Rundblick ins Rheintal, Markgräflerland, zum Kaiserstuhl und den Vogesen.

Das nun ist schlimm, denn eine Seilschwebebahn befördert jährlich über 180 000 Schaulustige auf den imposanten Hügel. Auf der ADAC-Rennstrecke, die viel berühmter ist als der Berg selbst, fahren Hunderttausende durch die Schauinslandkurven. Ihr Blick bleibt oben an Tannen hängen. Die Gemeinde Hofsgrund-Oberried, Miteigentümerin des früheren Silberberges, der im Mittelalter „Erzkasten“ hieß, spricht von 50 000 Übernachtungen pro Jahr.

Dieser ungeheure Zustrom von Touristen und Rundblickenthusiasten zieht nach Meinung von Bürgermeistern, Fremdenverkehrsexperten und einschlägigen Hotelkreisen verbittert und frustriert wieder ab, weil auf dem Schauinsland kein Holzturm steht, wie es sich für den modernen Gipfel gebührt. In einer Schrift mit dem Titel „Schweben, Schauen und Seligsein!“ wird konstatiert, der Schauinsland sei „fremdenverkehrswirtschaftlich noch unterentwickelt“.

Dieser Mißstand bewog den Freiburger Oberbürgermeister Eugen Keidel schon im Jahr 1970, als Freiburg sein 850jähriges Bestehen feierte, für den Hausberg einen Holzturm zu fordern, eine Aussichtsplattform über den Wipfeln: Schau höher ins Land.

Der Schwarzwaldverein wehrte sich bis ins Jahr 1978 gegen „diese zusätzliche Belastung“ des Berges durch den Holzturm. Der Regierungsvizepräsident aber dachte nach: „Ein Turm aus Holz stört nicht.“ Der Naturschutz hegte eher Bedenken. Die große Diskussion währte der Jahre acht, dann entschied der Stuttgarter Umweltminister Weiser, „nach Prüfung der Sach- und Rechtslage (sind) die rechtlichen Voraussetzungen für die Erteilung der notwendigen Befreiung nicht gegeben“. Er berief sich auf eine Verordnung aus dem Jahr 1939, die den Schauinslandgipfel freigehalten wissen wollte.