/ Von Rainer Köthe

Hat das Vokabelpauken endlich ein Ende? Müssen jetzt Fremdsprachenlehrer um ihren Job fürchten? Kann die moderne Computertechnik mit ihren elektronischen Winzlingen, den Mikroprozessoren („Chips“), nach 3700 Jahre währender Sprachverwirrung den Schock von Babylon überwinden? Fragen dieser Art drängen sich auf angesichts der Ankündigung des Kaufhauskonzerns Hertie: „Dolmetscher für die Westentasche. Übersetzt und schreibt in sechs Sprachen.“

Um die Antworten zu finden, habe ich den elektronischen Dolmetscher einige Tage getestet. Es ist wirklich ein handliches Gerätchen, kaum größer als ein Taschenrechner und ganze 300 Gramm leicht. Das – für Schreibmaschinenschreiber ungewohnte – alphabetisch angeordnete Tastenfeld enthält außer den Buchstaben, Satzzeichen und Zahlen einige blaue Funktionstasten sowie am Rand vier weiße Tasten, mit denen die gewünschte Sprache abgerufen wird. Auf einer grünleuchtenden, 16stelligen Anzeige erscheinen die eingetippten Worte und, gleich nach Knopfdruck, die Übersetzung.

Seinen Vokabelschatz hält der kleine Dolmetscher in Chips mit 24 „Beinen“ (Anschlüssen) gespeichert. Drei Chips können zur Zeit ins Gerät gesetzt werden, zum Beispiel Deutsch, Englisch und Französisch. Es gibt auch Chips für Italienisch und Spanisch und demnächst sogar für Japanisch; sie lassen sich in Sekundenschnelle auswechseln. Jeder Chip speichert 1100 Worte oder Redewendungen und kostet 50 Mark. Das Grundgerät (Preis: 498 Mark) enthält außer den Batterien auch einen Festspeicher für die Grundrechenarten und für das Umrechnen von metrischen in angelsächsische Maßeinheiten.

Der Stromverbrauch ist mit 130 Milliampere recht hoch, woran besonders die Anzeige schuld ist. Die eingesetzten Batterien sind nach wenigen Stunden leer, dann ist Mini-Dolmetscher mit seinem Latein am Ende. Auf Reisen sollte man daher immer Reservebatterien mitführen – oder Akkus einsetzen, die sich mit dem beigefügten Netzgerät wieder aufladen lassen.

1100 Vokabeln – das scheint nicht viel zu sein. Die Worte sind allerdings geschickt ausgewählt und speziell auf touristische Bedürfnisse zugeschnitten. Oft reichten sie aus, allerdings nur, wenn man vorher viel Zeit investiert hat, um das Gerät und seinen Vokabelschatz kennenzulernen. Vor allem muß man probieren, seine Sätze so zu formen, daß der Computer sie annimmt. Grundsätzlich kennt er nämlich nur die Einzahl und bei Verben die Grundform. Richtige Satzstellung und Grammatik ist ihm egal, er übersetzt Wort für Wort – so zum Beispiel das für eine ZEIT-Sekretärin eingetastete Kompliment „Sie sehen gut aus“ mit „She see good out“.