Ferien ’79 an der Ostsee: Das Essen jedenfalls stimmt

Von Viola Roggenkamp

Bei ablandige Winde, det is jefährlich, Sie. Wenn einer da in der Welle nich perfekt is." Der Mittdreißiger aus Berlin-Wedding wischt sich die Schwarzwälder Kirschtorte aus dem blonden Schnauzbart und wartet auf die Wirkung seiner Worte. "Windsurfing", zuckt die junge Frau aus Obersdorf mit den Achseln. "Mir würde es genügen, wenn ich wenigstens einmal reingehen könnte. Meine letzte Urlaubswoche und immer noch 16 Grad Wasser."

Von oben durch die Rundfensterdes Café "Bastei" betrachtet liegt die Ostseiteunberührt da. Ein stilles Wasser. Blaugrau, über Seetiefen violettgrün schattiert. Leicht ondulierte Wellen schwappen an den Strand. Keine Menschenseele stört ihren Frieden. Kein Boot ist weit und breit zu sehen. Nur Himmel und Wasser und Horizont.

Es ist, als habe jemand zum Stacheldrahtzaun der Kurtaxwächter noch zusätzlich eine unsichtbare Mauer gezogen. Denn nur ein paar Meter weiter brandet Massenbetrieb. Menschen in dicken Troyern, Lederjacken, Ölzeug, Gummistiefeln schlendern in Familientrupps über die Promenade. Was sie konzentriert einatmen, ist ein Gemisch aus Meerluft und Auspuffgasen.

Märkisches Viertel am Meer

Parallel zur Ostsee schieben sich zwei endlose Autoschlangen aneinander vorbei. Von wo die einen aufgebrochen sind, da streben die anderen hin. Tag für Tag quält sich die gleiche Blechlawine.