Konstanz

Als seine stärkste Waffe in dem Kampf mit unbotmäßigen Studenten hat sich eine neunköpfige Rechtsanwaltsriege in Villingen-Schwenningen erwiesen. Die Rede ist von dem jüngsten Ehrensenator der Bodensee-Universität in Konstanz, dem 59jährigen Textilfabrikanten Manfred Johannes Ulmer aus dem südwürttembergischen Städtchen Spaichingen, dem undankbare Assistenten und Studenten unter der Führung ihres Allgemeinen Studenten-Ausschusses (AStA) sein bescheidenes Glück nicht gönnen, für das er immerhin 150 000 Mark einbrachte.

Beide Gruppen hatten nämlich gegen die Ehrensenatorwürde gestimmt, die Fabrikant Ulmer im Mai mit Hilfe der Professorenmehrheit im Kleinen Senat zuteil geworden war. Und auch nach diesem bedeutenden Ereignis gab sich der AStA mit der Sache nicht zufrieden, sondern kritisierte die Vorfälle in Flugblättern und einer Dokumentation. Es bedurfte erheblicher anwaltlicher Anstrengungen des Fabrikanten, bis die AStA-Leute vor den Prozeßdrohungen kapitulierten. Trotz „bestmöglicher juristischer Absicherung“ und angesichts der „derzeitigen finanziellen Situation“ zog es der Vorsitzende Wolfgang Kammerer nunmehr vor, seine Vorwürfe gegen Ulmer zurückzunehmen und sich schriftlich zu entschuldigen.

Dabei hatten der Herr Senator, der nebenbei als Luftwaffenoberst der Reserve den Landesverband der Bundeswehrreservisten in Baden-Württemberg befehligt und das Amt eines „Konsuls der Republik Senegal“ bekleidet, von Anfang an nichts anderes als das Wohl der Universität in Konstanz und ihrer Studenten im Sinn. Die Verblendeten jedoch wollten anscheinend von dem schönen Geld nichts wissen und starteten eine Kampagne gegen den uneigennützigen Freund der Wissenschaften.

Mit einer feinen Spürnase ausgestattet, gelang es dem Rektor Horst Sund in letzter Minute, eine grobe Störung der bereits im Großen-Senats-Saal arrangierten feierlichen Titelverleihung zu verhindern. Dort war nämlich eine Studenten-Abordnung gesichtet worden, die dem künftigen Senator den „goldenen Klodeckel von Mammons Gnade am Bande“ umhängen wollte.

Also improvisierte Sund und verlegte die Feier kurzerhand in die gepflegte Atmosphäre des Konstanzer Insel-Hotels, wo man mit der bewährten Gastronomie des Konsuls Steigenberger unter sich und bestens versorgt war. Dabei fiel während der kritischen Phase des Aufenthalts Ulmers dem Pressereferenten die sinnvolle Aufgabe zu, für die Sicherung der wichtigsten Zugänge des Rektoratsgebäudes durch Verschließen besorgt zu sein. Die Weisung, für die offensichtlich nachher niemand mehr einstehen wollte, habe er vom „lieben Gott“ erhalten, sagte er vieldeutig.

Zu dem groben Undank, den die AStA-Leute ihrem neuen Wohltäter in ihrer „Dokumentation“ antaten, gehören folgende Vorwürfe: In Ulmers Firmengruppe, die er als „GmbH. & Co. KG.“ in Spaichingen und Umgebung betreiben läßt und die, wenn wir das Firmensignet richtig deuten, im Zeichen des schwarzen Panthers steht, würden untertarifliche Löhne bezahlt; die Weihnachtsgratifikation an die Betriebsangehörigen werde „in Form von Ladenhütern aus der eigenen Produktion“ geleistet; trotz ständiger Produktionssteigerung seien fünfzig Mitarbeiter entlassen worden; im Spaichinger Hauptwerk sei „zufällig“ kein einziger Beschäftigter gewerkschaftlich organisiert; und ein kritischer Leserbrief an die Spaichinger Lokalzeitung sei vor der Veröffentlichung in Ulmers Hände geraten, die Schreiberin mit einer Klageandrohung eingeschüchtert worden.