Von Peter Christ

Die neuesten Bilanzen der amerikanischen Ölkonzerne scheinen alle Vorwürfe zu bestätigen: Die Gewinne wachsen in einem Tempo, das die Opec vor Neid erblassen läßt. Nutzen die Multis die Krise, um Kasse zu machen?

In den USA versuchen die Ölgesellschaften die aufgeschreckte Öffentlichkeit mit Argumenten zu beruhigen, die für deutsche Ohren wie Hohn klingen müssen: Nicht in Amerika verdienen wir unser Geld, sondern im Ausland. Und einer der wichtigsten Auslandsmärkte ist für die Ölmultis die Bundesrepublik.

Aber ihre deutschen Filialen sind sehr verschwiegen. Weil kein Gesetz sie zwingt, behandeln sie – mit einer Ausnahme – ihre derzeitigen Gewinne sehr diskret, nennen gar keine Zahlen, oder machen nur fragmentarische Angaben. Doch ohne Zweifel florieren die Geschäfte der ölfirmen im Klima von Krise und Knappheit wie schon lange nicht mehr. Nach vier Jahren mit Verlusten sind jetzt bessere Zeiten angebrochen.

Da stört kein unabhängiger Händler mehr die Kreise der Großen. Der früher so billige Rotterdamer Markt, der uns jahrelang preiswertes Benzin und den Ölgesellschaften Verluste bescherte, ist seit Monaten so teuer, daß sich dort kein unabhängiger Ölhändler mehr eindecken kann. Den Ölkonzernen bietet deshalb auf dem freien deutschen Markt niemand mehr Paroli.

Frei mag der Markt noch sein, weil es keine staatlichen Eingriffe gibt und jeder Preise und Mengen. nach Belieben festsetzen kann, aber frei heißt nicht, daß der Markt auch funktioniert. Die Ölgesellschaften verkaufen zum Einheitspreis, der Preiswettbewerb ruht. Und Preise sind im Geschäft mit qualitativ identischem Heizöl und Benzin die entscheidende Größe.

Bei funktionierendem Wettbewerb wäre es den Ölkonzernen gewiß nicht gelungen, den Benzinpreis auf einen Schlag um fünf Pfennig zu erhöhen und damit binnen Jahresfrist ihre Einnahmen um weit mehr als eine Milliarde Mark zu steigern. Und die Ölgesellschaften haben sogar recht, wenn sie behaupten, der Markt gebe noch höhere Preise her.