Während am Rentenmarkt die Renditen zu sinken begonnen haben, locken die Kreditinstitute ihre Kundschaft mit immer besseren Zinsangeboten. Die höchsten Zinsen zahlen Banken, die ihr Geschäft mit Teilzahlungskrediten betreiben.

Am 10. August werden die Konditionen für die nächste Bundesanleihe bekanntgegeben. Mit einem achtprozentigen Typ rechnet niemand mehr, nachdem der Bund am Wochenbeginn selbst für fünfzehnjährige Schuldscheine nur noch 7,75 Prozent geboten hatte. Die Kurse der letzten Achtprozenter mit zehnjähriger Laufzeit sind bereits auf rund 102 Prozent geklettert. „Gewinnpapiere, die man einfach haben muß“, rechnen die Frankfurter Börsenbriefe ihren Lesern vor, „denn nur alle vier bis fünf Jahre gibt es die Chance am Kapitalmarkt, sich für die nächsten zehn Jahre eine hohe laufende Rendite zu sichern!“

Niemand will indessen heute die Garantie geben, daß der deutsche Kapitalmarkt tatsächlich für einen längeren Zeitraum vom achtprozentigen Nominalzinssatz Abschied genommen hat. „Auf alle Fälle sind wir dem Zinsgipfel sehr nahe“, lautet diplomatisch die Antwort der Experten auf Fragen nach der Zinszukunft.

Da ist zunächst einmal das Problem der Inflationsrate. Einig ist man sich, daß sie in den nachsten beiden Monaten weiter steigen wird. Möglicherweise bis nahe an sechs Prozent. Danach – so lauten die Prognosen – müßte sie aber bereits wieder sinken, Das würde der Bundesbank erlauben, auf weitere Restriktionsmaßnahmen mit der Folge neuer Zinsanhebungen zu verzichten.

Was sich überhaupt nicht abschätzen läßt, ist das Verhalten der Ausländer. Und gerade sie waren es, die am Rentenmarkt den Umschwung initiiert haben. Ihre Käufe festen den Markt innerhalb kurzer Zeit leer. Wohlweislich haben viele Ausländer Papiere des Bundes, der Bahn und der Post erworben. Dank aktiver Kurspflege sind das Emissionen, bei denen man nicht nur Millionenbeträge kaufen, sondern – was noch wichtiger ist – auch verkaufen kann. Es würde naheliegen, wenn Ausländer auf Mark lautende Anleihen ausländischer Emittenten bevorzugen. Bei ihnen können sie die Zinsen ohne Steuerabzug kassieren. Auf die Zinsen deutscherEmittenten müssen sie hingegen 25. Prozent „Kuponsteuer“ entrichten. Da die Ausländer diese Steuer freiwillig auf sich nehmen, muß davon, ausgegangen werden, daß sie die von ihnen jetzt erworbenen Titel nicht unbedingt als Daueranlage ansehen. Tatsächlich spricht vieles dafür, daß ein großer Teil der ausländischen Käufer auf eine „festere Mark“ spekuliert und zweimal verdienen will, einmal an den Zinsen und zum anderen an der Aufwertung der Mark, die gegenüber einigen Valuten der Europäischen Währungsgemeinschaft für den Herbst erwartet wird.

Was geschieht aber, wenn die Ausländer sich vom deutschen Rentenmarkt wieder verabschieden? Kommt es dann zu einem Kurssturz? Oder wird das Angebot dann zu einigermaßen stabilen Notierungen von deutschen Anlegern aufgenommen werden? Dazu wären sie in der Lage. Versicherungen, Rentenfonds, große Firmen sowie private Bankkunden unterhalten zur Zeit bei den Banken Guthaben in Milliardenhöhe. Gelder, die dort geparkt werden, bis der Zins in der Bundesrepublik endgültig sinkt. Und damit wird mit Sicherheit im kommenden Jahr gerechnet.

Wer die heute am Rentenmarkt erzielbaren Renditen mit denen anderer Sparformen vergleicht, meine verehrten Leser, muß zwangsläufigzu der Erkenntnis kommen, daß es sich nur dann lohnt, festverzinsliche Papiere zu erwerben, wenn man damit rechnen kann, sie eines Tages zu höheren Kursen wieder verkaufen zu können. Ohne jegliches Kursrisiko läßt sich mit Sparbriefen der Banken und mit Bundesschatzbriefen mehr Geld machen.