Forschung ist eine Sache des reichen weißen Mannes. Die Dritte Welt will das ändern

Von Günter Haaf

Die einen, und dazu zählen auch wir, pumpen Milliarden in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, damit ja auch nicht eines der verschwenderisch gleißenden Lichter ausgeht, mit denen sich die Welt des weißen Mannes von der Düsternis der Dritten Welt abhebt. Kaum eine potentielle Quelle neuer Energien oder Rohstoffe, die da nicht mit kühnen wissenschaftlich-technischen Kreuzzügen ausgeforscht, ausgemessen und schließlich ausgebeutet würde: die kontrollierte Kernfusion etwa, mit der das Sonnenfeuer auf der Erde gebändigt; werden soll, oder der Bergbau auf anderen Himmelskörpern.

Die anderen, und das sind mehr als zwei Drittel aller heute lebenden Menschen, wissen oft nicht, woher sie das Geld nehmen sollen, um ihre trübe Lebensfunzel am Flackern zu halten: Im westafrikanischen Ouagadougou, der Hauptstadt Obervoltas, „kostet es heute beinahe mehr, einen Suppentopf zu kochen als ihn zu füllen“, klagte unlängst ein afrikanischer Wissenschaftler.

Der Griff nach dem Sternenfeuer und der Suppentopf von Ouagadougou symbolisieren jenen „unerträglichen Widerspruch“, wie es Bundesforschungsminister Volker Hauff ausdrückte, „zwischen dem Wissen und dem technologischen Kenntnisstand der Menschheit einerseits und den bescheidenen Erfolgen – oder eher Mißerfolgen – bei dem Bemühen, die Probleme der Menschheit insbesondere in der Dritten Welt zu lösen, andererseits“.

Wissen, was die Natur zusammenhält, die genaue Kenntnis der Umwelt, ist alles andere als ein neutraler Faktor: „Wissen ist Macht“, in der Evolution des Lebens ebenso wie in der Geschichte der Menschheit. Der Hebel, mit dem diese Macht ausgeübt wird, heißt Technologie – jener „kommerzielle Prozeß, der erlaubt, aus grundlegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen Profit zu schöpfen“, wie der indische Wirtschaftsforscher Dr. Vinod Vyasulu im britischen Fachblatt New Scientist schreibt: „Technologie ist also, in ihrer gegenwärtigen modernen Form, ein Werkzeug der Unterdrückung.“

Hauffs Wort vom „unerträglichen Widerspruch“ und Vyasulus Bemerkung über das „Werkzeug der Unterdrückung“ scheinen, auf den ersten Blick zumindest, denselben Einsichten entsprungen zu sein. Ob freilich das Unbehagen des deutschen Forschungsministers mehr als nur ein Lippenbekenntnis und die Anklage des indischen Technologiekritikers mehr als nur ein ohnmächtiger Aufschrei ist, wird sich in den nächsten zwei Wochen in Wien bei der „Konferenz der Vereinten Nationen über Wissenschaft und Technologie für die Entwicklung“ – nach der englischen Abkürzung „UNCSTD“ genannt – zeigen.