Susan ist Photographie und recht erfolgreich, Paul im Filmgeschäft. Zusammen bewohnen sie ein Apartment an New Yorks teurer Renommieradresse Centralpark West.

Beide sind Mitte Dreißig und am Anfang einer Karriere, die nach oben zeigt. Ursprünglich wohnten sie in Boston, aber als sich zeigte, daß für.Susan in New York bessere berufliche Chancen bestehen, zog sie als erste hierher. Paul kam nach, und seit er Filme produziert, pendelt er zwischen Ost- und Westküste.

Den Freunden des Paares war seit langem bekannt, daß diese Mobilität Spiegel einer ziemlich instabilen emotionalen Beziehung war, und deshalb kam die Nachricht von ihrer Trennung nicht unerwartet.

Eine ziemlich alltägliche Geschichte also. Allerdings: Im Falle von Susan und Paul ist die Realität eine gedachte – sie leben nur auf der Bühne, in einem Stück nämlich, das als eines der besten gilt, die der Broadway seit langem hervorgebracht hat.

„Loose Ends“ (vielleicht: „Lose Fäden“) von Michel Weiler, ist keine zeitlose Liebesgeschichte, sie ist begrenzt in Dauer und in ihren Problemen und Zügen sehr bestimmt in unserem Jahrzehnt angesiedelt.

So lag es in der Absicht des Autors, der sich bereits als Chronist der 60er Jahre einen Namen gemacht hat. Die „Mondkinder“ hieß sein Stück über eine Gruppe von Collegestudenten, die, von Autoritätsverfall und Vietnamkrieg verstört, ratlos bis zynisch in die Zukunft sahen. „Loose Ends“ ist gleichsam die Fortsetzung. Die Blumenkinder sind erwachsen geworden – mit Vorbehalt, weil die unbegrenzten moralischen Möglichkeiten, die höchst individuellen Werte viele in einen Zustand anhaltender Pubertät entläßt.

Susan und Paul begegnen sich zuerst im Jahr 1970 an einem Strand in Bali, wo er, leicht desillusioniert von zwei Jahren Peace-Corps, ausruht; sie fährt mit einer Freundin um die Welt. Ein Jahr später treffen sie sich wieder in den Staaten. Sie ziehen zusammen, heiraten sogar. Mit dem beruflichen Erfolg kommen Spannungen und schließlich die Trennung, weil er ein Kind will, sie aber nicht, und weil sie, zuerst ohne sein Wissen, eine Abtreibung vornehmen läßt. Ein Jahr später treffen sie sich wieder,in einer von Trauer und Unsicherheiten dominierten Begegnung, die dadurch, daß sie miteinander schlafen, nicht unkomplizierter wird. Sie geht vorzeitig (und halbherzig) fort zu irgendeinem unwichtigen Rendezvous, er bleibt noch einen Moment und sieht sich Dias von früher an.