Der sozial engagierte Direktor des Luxushotels Plaza-Athénée mußte den Hut nehmen

Für den Michelin gilt es, neben dem Ritz, als eines der beiden besten und angenehmsten Luxushotels von Paris: das Plaza-Athénée mit seinen 213 Zimmern, der exquisiten Lage an der Avenue Montaigne und dem Zwei-Sterne-Restaurant (Spezialität: Hummer-Soufflé). Was nicht im Michelin steht: Das Etablissement konnte sich bisher rühmen, von einem ehemaligen Tellerwäscher mit viel Erfolg und sozialem Engagement geführt zu werden. Doch Paul Bougenaux (54) wird aus den Ferien nicht mehr auf seinen Chefsessel zurückkehren.

Der Aufstieg des Außenseiters zum Generaldirektor begann – wie so manches Abenteuer – im Frühjahr 1968. In jenen bewegten Tagen, als die Pariser auf die Barrikaden gingen und im ganzen Land der Generalstreik ausgerufen wurde, zog auch die Belegschaft des Plaza mit Transparenten über die Champs-Elysées. Sie skandierte im Hotelgewerbe ungewohnte Schlagworte wie Selbstverwaltung und Gewinnbeteiligung. Und Paul Bougenaux erwies sich als Mann der Stunde. Er trat an die Spitze seiner Kollegen – und war bald an der Spitze der Direktion angelangt.

Schon 1946 hatte Bougenaux in der Bar des Plaza als Tellerwäscher und Mann für alles begonnen. Danach arbeitete er in fast allen Abteilungen des Hotels, von der Küche bis zur Buchhaltung. Der autoritäre Führungsstil des ‚Hauses trieb ihn in die Gewerkschaft und in den Betriebsrat. Bougenaux: „Und da ich halbe Sachen nicht mag, bekam ich gleich Streit mit der Direktion.“ Dennoch war der aufmüpfige Mann 1962 Empfangschef.

Dank einer archaischen Geschäftspolitik, die Gewinne lieber in Wertpapieren anlegte als sie zu investieren, blieben zunächst die Gäste und schließlich auch die Gewinne aus. Das Plaza wurde an die englische Gruppe Trusthouse Forte verkauft, die sich des amerikanischen Geschäftsmannes Karr als Unterhändler bediente. Karr, ehemals Journalist in einer kommunistischen Zeitung, und der Empfangschef, der mittlerweile zum Betriebsratsvorsitzenden avanciert war, einigten sich auf einen neuen Kurs: Die Belegschaft erhielt weitgehende Informations- und Mitspracherechte. Im November 1969 wurde Bougenaux dann Chef des Hauses – mit ausdrücklicher Zustimmung des Personals.

Das Plaza wurde von oben bis unten renoviert, ohne einen einzigen Tag zu schließen. Vor jeder wichtigen Entscheidung wurde die Belegschaft konsultiert. Bougenaux: „Wer kennt die Reaktion, die Kritik, den Geschmack der Kunden besser als ein Zimmermädchen?“ Sogar hundert Stellen konnten wegrationalisiert werden, ohne daß es zu Protesten kam. Die Gehälter kletterten vom unteren Ende der Skala bis zur Spitze der Branche. Zugleich mit einem dichten Netz sozialer Sicherungen wurde die Fünf-Tage-Woche eingeführt. „Der Motor der Wirtschaft heißt Zufriedenheit“, pflegte der Chef des Hauses seine Politik zu rechtfertigen.

Von 1975 an wurden dann auch die Gewinne an die Belegschaft verteilt. Die Faustregel: ein Drittel für die Steuern, ein Drittel für die Aktionäre, ein Drittel für die Angestellten. 1977 machte die Gewinnbeteiligung vier volle Monatsgehälter aus.