Gemeinsame Front gegen die Japaner

Von Heinz Blüthmann und Hermann Bößenecker

Der Name hat Klang – im wahrsten Sinne des Wortes. Millionen von Stereoanlagen, Radio- und Fernsehgeräte nicht nur in deutschen Wohnstuben tragen seinen Namen: Grundig.

Der Name steht aber auch für den Erfolgreichsten und Bekanntesten einer schon fast ausgestorbenen Spezies – der Neugründer und Pionierunternehmer im Nachkriegsdeutschland. Max Grundig „überlebte“ sie fast alle, mit denen er damals zusammen begann: die Borgwards, Schließers und Neckermanns. Grundig schaffte den Aufstieg vom Radiobastler in der Hinterhofwerkstatt zum Branchenführer mit fast 38 000 beschäftigten ohne wesentliche Anfechtungen für seine Unabhängigkeit und die seines Unternehmens – bisher.

Jetzt jedoch fällt erstmals ein Schatten auf den Namen Grundig, der Schatten eines noch größeren Unternehmens: Philips.

Der niederländische Weltkonzern mit dem zehnmal größeren Umsatz hat Appetit auf Grundig und will zunächst eine Schachtel von 25 Prozent übernehmen. Und Max Grundig, heute 71jährig, leistet kaum noch Gegenwehr. Denn der Erste seiner Branche, der gerade mit Überkapazitäten, Gerätehalden und Preisverfall sein schwierigstes Jahr seit dem Kriege durchmacht, ist offenbar sturmreif geschossen – vor allem von den japanischen Elektronikkonzernen, die mit dem Auslaufen der deutschen PAL-Lizenzen 1980 weiteres Terrain erobern werden, auch auf Kosten Grundigs.

„Wer kann denn dann den Japanern in Europa Paroli bieten?“ fragt der alternde Fürther Selfmademan und antwortet selbst: „Doch nur Philips und Grundig.“ Anders jedoch als noch im Sommer 1971, als Max Grundig euphorisch den Plan hegte, „Philips etwas Gleichwertiges entgegenzustellen“, steht ihm heute mehr der Sinn nach Verbindung und Anlehnung beim großen Bruder Philips.