Der Lebenslauf eines Ausschusses ist so wesentlich für unsere Kenntnis von Tagesfragen, daß es uns geradezu überrascht, wie wenig Aufmerksamkeit man bisher der Wissenschaft zollte, die sich Komitologie oder Ausschußlehre nennt.“

Mit dieser Feststellung trifft Cyril Northcote Parkinson ein brennendes Zeitproblem und sozusagen dessen Nagel auf den Kopf. Denn wir leben ja in der Epoche der Teamarbeit und der Gruppendiskussionen; wir reden von Partnerschaft, Parität, Partizipation. Und wir sitzen in Komitees und Kommissionen, verbringen unsere Tage und oft genug Nächte in Ausschüssen und Unterausschüssen; wer es nicht tut, der zählt kaum, ist nicht wirklich wichtig und gehört nicht „dazu“.

Die Erfahrung lehrt freilich, daß viele Kommissionen und Ausschüsse die in sie gesetzten Hoffnungen bitter enttäuschen; sie sind und sie bleiben unfruchtbar, produktivitätsresistent; sie verschwenden nichts als die Zeit und die Nervenkraft ihrer Mitglieder, ferner Papier und Spesen. Woran liegt das? Und wie könnte man Abhilfe schaffen? Eine Antwort auf diese Fragen könnte nicht nur unser Wissen vermehren, sondern von unabsehbarem Nutzen sein.

Professor Parkinson hat das Problem vor allem an Regierungen und Kabinetten analysiert. Dabei fand er heraus, daß es in erster Linie auf die Zahlen ankommt: „Untersucht man einen Kabinettsrat zunächst unter dem Mikroskop, dann scheint er – dem Komitologen, Historiker, sogar den Leuten, welche Kabinette berufen – im Idealfall aus fünf Mitgliedern zu bestehen. Mit dieser Zahl ist die Pflanze bereits lebensfähig... Fünf Mitglieder sind leicht zu versammeln, sie können kompetent, diskret und zügig arbeiten. Von diesen fünfen dürfen sehr wohl vier Mitglieder eine Ausbildung haben, und zwar nebeneinander in Finanzwesen, Außenpolitik, Verteidigung und Rechtsprechung. Der fünfte Main, dem es nicht gelang, eines dieser Fächer zu meistern, wird dann gewöhnlich Präsident oder Premierminister.“

Mit einer steigenden Zahl von Mitgliedern wachsen dagegen die Schwierigkeiten – ganz gleich, um was für eine Art von Gremium es sich handelt. Das fängt schon mit den allbekannten Terminproblemen an. Von denen, die man unbedingt braucht, ist der eine gerade in Nairobi, angeblich zu einer Wirtschaftskonferenz. Der zweite berät die Inder in Fragen der Erwachsenenbildung. Der dritte wird bei einer Podiumsdiskussion in Loccum benötigt, und so fort. Aber selbst wenn man endlich alle unter einen Hut bekommt, gilt die Regel: Qualität entwickelt sich umgekehrt proportional zur Quantität. Dabei gibt es, wie Parkinson uns anschaulich schildert, eine geheimnisvolle. Grenze, die die nützliche Arbeit von der Zeitvergeudung trennt:

„Jedermann weiß,daß eine Konferenz mit mehr als zwanzig Teilnehmern ihren Charakter verändert. Privatgespräche entwickeln sich an den entfernten Ecken der gemeinsamen Tafel. Ein Mitglied, das gehört werden will, muß sich erheben. Steht der Mann erst einmal auf seinen Füßen, kann er schwerlich der Versuchung widerstehen, eine Ansprache zu halten... ‚Herr Präsident‘, wird er seine Rede beginnen, ‚ich glaube, ich kann hier, ohne Widerspruch zu wecken, behaupten – und da spreche ich aus einer Erfahrung von fünfundzwanzig, fast möchte ich sagen, siebenundzwanzig Jahren ...: Eine schwere Verantwortung lastet auf uns, Herr Präsident, und ich als einer von jenen ...‘

Während dieses ganzen Gefasels schieben sich die nützlichen Mitglieder – falls noch solche im Raum sind – unter dem Tisch kleine Zettel zu, auf denen steht: ‚Iß mit mir morgen zu Mittag, wir erledigen die Sache unter uns!‘ Was sonst sollen sie tun? Die Stimme des Redners dröhnt, monoton und ohne Pause. Der Mann könnte genausogut im Schlaf sprechen. Der Ausschuß, dessen nutzlosestes Mitglied er ist, hat aufgehört zu existieren. Er ist am Ende. Er ist hoffnungslos. Er ist tot.“