Ein Jurist fühlt sich beleidigt und verfolgt – Der Fall des Richters Victor Henry de Somoskeoy

Von Hans Schueler

Köln

Seit Anfang dieses Monats steht im bundesdeutschen Buchhandel eine Dokumentation zum Verkauf, die in der Justizgeschichte einmalig sein dürfte: Victor Henry gegen alle – Der Fall Somoskeoy. Das Buch hat 86 Herausgeber, überwiegend Schriftsteller und Journalisten, aber auch viele Rechtsanwälte, zwei amtierende Richter, einen pensionierten Staatsanwalt und acht Bundestagsabgeordnete. Es beschäftigt sich ausschließlich mit dem dienstlichen Wirken und privaten Treiben des Vorsitzenden Richters der 13. Großen Strafkammer (Schwur-, gerichtskammer) beim Landgericht in Köln, Dr. Victor Henry de Somoskeoy.

Daß ein Richter ins Rampenlicht der Öffentlichkeit gerät, ist nicht ungewöhnlich. Zumal die Vorsitzenden; von Schwurgerichten, bei denen sensationsträchtige Mordprozesse verhandelt werden, wissen davon ein Lied zu singen. Doch kein Schwurgerichts-Vorsitzender, nicht einmal der hervorragende Richter im Auschwitz-Prozeß, Hofmeyer – er wurde später ob seiner Verdienste zum Senatspräsidenten am Oberlandesgericht befördert – erfuhr über Jahre hinweg auch nur annähernd soviel öffentliche Aufmerksamkeit wie Victor Henry de Somoskeoy.

Der Kölner Richter verdankt die Beachtung, die sich inzwischen zu einer Buchveröffentlichung über ihn verdichtete, höchstpersönlichen Komponenten seiner richterlichen Natur. Sie lassen es zu, von „privatem Treiben“ zu reden, weil damit nicht die eigentliche Privatsphäre gemeint ist, seine Intimsphäre also, sondern nur die Reflexion öffentlicher Dinge aus dem privaten Raum: Richter de Somoskeoy hat innerhalb von sechs Jahren rund zwei Dutzend Strafanzeigen gegen Personen und die sie beschäftigenden Einrichtungen wie Zeitungen und Rundfunkanstalten erstattet, meist mit dem gleichen Tenor: Er sei als Vorsitzender einer Strafkammer – früher war es eine „politische“ – der Rechtsbeugung beschuldigt worden;