Am Schluß hat es Jürgen W. Möllemann doch noch ganz böse erwischt. Schlimme Entzugserscheinungen sind bei dem von der Droge Publizität schwer Abhängigen denkbar, nachdem er die Pressekonferenz über seine Nahost-Reise hat absagen müssen. Im Klartext: Er ist von seinen FDP-Oberen für eine Weile aus dem Verkehr gezogen worden.

Das ist schade, denn nun wird es noch schwieriger zu ermessen, was bei jener Reise außer Mißverständnissen und anstößigen Äußerungen eigentlich herausgekommen ist. Mag sein, daß der Wirbel um seinen vermeintlichen Nahost-Plan tatsächlich auf Mißverständnissen beruht. Anstößig aber bleibt auf jeden Fall eine Bemerkung wie etwa jene, die israelischen Luftangriffe auf den Südlibanon seien „staatlicher Terrorismus“. Auch wenn Möllemann ebenso palästinensiche Überfälle verurteilt hat und sich damit überhaupt gegen Gewaltanwendung aussprechen wollte: eine solche Äußerung läßt sich durch nichts entschuldigen. War es denn nicht einmal eine deutsche Regierung, die durch staatlichen Terrorismus sechs Millionen Juden vom Leben zum Tode brachte?

Daß ein Mann, der zu solchen Unbedachtheiten fähig ist, mit einem der schwierigsten weltpolitischen Probleme umgeht, darin steckt das eigentliche Problem, zumal dann, wenn er sich, ausweislich der Berichte aus Beirut, als Laie, aber gleichwohl lauthals auf den Weg macht. Außenminister Genscher muß nun viel Scherben kitten. Aber hatte Möllemann nicht schon vor seiner Reise angekündigt, daß sie wohl einige Turbulenz erzeugen würde? Daß diese Prophezeiung so prompt eingetroffen ist, verstärkt bloß den Eindruck, daß Jürgen W. Möllemann häufig nur eines interessiert: Jürgen W. Möllemann.

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Er soll nicht zu den Exponenten des rechten oder linken Fraktionsflügels gehören. Erfahrungen in der Exekutive wären gut. Von Herbert Wehner muß er respektiert werden. Überhaupt sollte er schon ein gewisses „Standing“ haben. Und vor allem muß natürlich auch der Kanzler mit ihm einverstanden sein.

Gesucht wird der Nachfolger Hans-Jürgen Wischnewskis als Staatsminister bei Helmut Schmidt. Das heißt, ob das Wort „Suche“ noch zutrifft, ist fraglich, denn womöglich ist der Nachfolger schon gefunden oder zumindest ins Auge gefaßt. Aber das wissen in Bonn allenfalls ein paar ganz Eingeweihte, und deshalb geht in der Bundeshauptstadt die Suche weiter, und zwar in ihrer lustvollsten Form: als Spekulation.

Namen waren schon immer Nachrichten, Noch-Nicht-Namen, aber Vielleicht-Doch-Namen sind noch interessanter, und wenn dies alles in die Sommerflaute fällt, wird die Verlockung schier unwiderstehlich, das Spekulationskarussell jeden Tag ein wenig anzutippen.