DIE ZEIT

Israels Mißtrauen gegen Bonn

Eine Abkühlung der Beziehungen zwischen den Regierungen in Bonn und Jerusalem läßt sich nicht mehr bestreiten. Würde man sie leugnen, nähme man ja all die verbitterten Äußerungen führender Israelis, in denen die Bundesregierung einer zunehmend pro-arabischen Politik zu Lasten Israels, wenn nicht sogar einer feindseligen Haltung bezichtigt wird, nicht ernst genug.

Scherfs Rüpelei

Immerhin: Gegenüber Karl Carstens hat der Bremer Finanzsenator Henning Scherf seine rüde Attacke zurückgenommen. Aber gegenüber Richard Stücklen und Franz-Josef Strauß will er nichts abstreichen von seinem öffentlich geschilderten Alptraum, der ihm ein Dreigespann aus dem gegenwärtigen Staatsoberhaupt, dem Parlamentspräsidenten und einem möglichen Kanzler Strauß so erscheinen ließ, „als ob dieser Staat an eine Gang abgetreten“ wäre.

Unerbittliches Gesetz

Liberale haben ein zwiespältiges Verhältnis zur Revolution: Der radikale Schnitt wird begrüßt, wo der Würgegriff der Tyrannei nicht mehr anders zu lösen ist.

In eine neue Heimat

Während diese Zeilen geschrieben werden, sind die ersten 90 der 274 Vietnam-Flüchtlinge, die wir mit unserer Hilfsaktion nach Hamburg holen wollen, bereits in Kuala Lumpur in die Lufthansa-Maschine gestiegen Etwa 150 weitere folgen 24 Stunden später.

Worte der Woche

„Weil ich nicht damit zufrieden wäre, von Montag bis Freitag außerordentlich engagiert in Bonn zu sein, um mir nach vier Jahren sagen zu lassen, du hast den zweiten Halbsatz des Paragraphen 57,2 des Städtebauförderungsgesetz entscheidend beeinflußt“.

Zeitspiegel

Nachdem er den Gästen seines Bonner Sommerfests geraten hatte, keine Angst vor großen Tieren zu empfinden, hat der Kanzler jetzt zusammen mit Bürgermeister Stobbe für Anfang Oktober zu „Philharmonischen Eulenspiegeleien“ in Berlin eingeladen.

,,Wir sind ein Staat der Arbeiterklasse“

Amin (Erster Minister und amtierender Verteidigungsminister): Wir sind stolz, mit aktiver Unterstützung der Bevölkerung große Projekte durchgeführt zu haben, wie die Landreform und die Volkszählung.

Der „Volksfeind“ ist das Volk selber

Rote Banner in russischer und englischer Sprache zum Empfang am Flughafen in Kabul: „Arbeiter der Welt, vereinigt euch“, „Es lebe der proletarische Internationalismus“ und „Willkommen im Land der neuen Modell-Revolution“.

Italien: Kommunist ohne Selbstverleugnung?

Manche hatten an das Gespenst des „Eurokommunismus“ geglaubt und sich gründlich gefürchtet. Andere, die es im Niemandsland zwischen Ost und West umhergeistern sahen, zweifelten an seiner greifbaren Existenz oder erhofften sich von ihm eine neue Offenbarung.

Wolfgang Ebert: Neues von gestern

Mexico City: Wie zur Bestätigung der von renommierten Wissenschaftlern geäußerten Warnung vor den Magen- und diplomatischen Verstimmungen, die durch sogenannte Arbeitsessen entstehen, mag ein erst jetzt bekanntgewordenes heikles Mißverständnis dienen, das bei dem kürzlichen Besuch Graf Lambsdorffs in Mexiko entstand.

Paragraph 218: Aufstand der Heuchler

Franz Josef Strauß kann nicht daran interessiert sein, seinen Kampf um die Kanzlerschaft 1980 mit einer Kampagne gegen den – reformierten – Paragraphen 218 zu führen, Er würde damit mehr Wählerstimmen, vor allem weibliche, verlieren als gewinnen.

Osteuropa: Wirtschaftsprobleme mehr als genug

Wirtschaftskrisen sind allem Anschein nach kein Privileg des Kapitalismus mehr. 30 Jahre nach Gründung des sozialistischen „Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe“ (RGW) leidet auch Osteuropa unter gestiegenen Rohstoffpreisen, Inflation und mangelhafter Produktivität.

Westsahara: Neue Fronten

Algerien und Mauretanien haben die vor drei Jahren wegen dieses Konflikts abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen.

BONNER BÜHNE: Einfache Lebens-Genüsse

Am Schluß hat es Jürgen W. Möllemann doch noch ganz böse erwischt. Schlimme Entzugserscheinungen sind bei dem von der Droge Publizität schwer Abhängigen denkbar, nachdem er die Pressekonferenz über seine Nahost-Reise hat absagen müssen.

Auf die Plätze... fertig... Pause!

Merkt der Besucher es einem Land eigentlich an, wenn dort die Regierung gewechselt hat? Die Antwort heißt vermutlich: im Iran und in ähnlichen Ländern sicher; in England und ähnlichen Ländern (falls es ähnliche Länder gibt) kaum.

Gelsenkirchen ist besser als sein Ruf

Natürlich ist Gelsenkirchen eine Industriestadt im tiefsten Kohlenpott. Und die Gelsenkirchener, die in der Nähe der Chemie wohnen, müssen sich so manches Mal die Nase zuhalten.

Starre Pupillen

Millionenfache Bewunderung schlägt an jedem Fernsehabend all jenen Moderatoren oder Korrespondenten entgegen, die ihre Texte vor der Kamera geradezu spielend und dazu noch druckreif aus dem Gehirn schütteln.

Tut die Revolution not?

Brückners protestantische Haltung ist immer integer, sympathisch, sein Entsetzen über falsch bewahrte Freiheit tief: „Wenn die Soldaten wirklich für unser aller Freiheit töten, so müßten wir sofort aufspringen und unsere Freiheit zurückgeben.

Uniformen

Zu keiner Zeit ist die Uniformierung der europäischen Armeen so vielfältig und farbenprächtig gewesen wie in der Epoche Napoleons.

Geheimdienst CIA: Häßliche Agenten

Tagebucheintragung am 23. April 1962: Der stellvertretende Chef der CIA-Station in Quito/Ekuador, Gil Saudade, „hat eine weitere Frontorganisation für Propaganda eingerichtet.

Nessie heißt Nachschlag

Die nachrichtenarmen Sommermonate machen’s möglich: Nessie, das legendäre Ungeheuer von Loch Ness, ist wieder einmal aufgetaucht.

Humanisierung der Arbeit: Vermarkten?

Nun versucht das von Unternehmern finanzierte Institut der Deutschen Wirtschaft die Grenzen abzustecken, die – wer wollte das bestreiten – von der Rentabilität und Konkurrenzfähigkeit der deutschen Wirtschaft gezogen werden.

Wertpapieranlage: Das letzte Loch

Das Bundesfinanzministerium unternimmt gegenwärtig einen Vorstoß gegen die sogenannten Tafelgeschäfte der Banken, also gegen den anonymen Barkauf und -verkauf effektiver Stücke (Aktien, Pfandbriefe, Kommunalobligationen und Investment-Zertifikate).

BONNER KULISSE

Die Stallwächter von Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff, derweil auf Reisen durch Lateinamerika, brachten ihren Chef in den Verdacht, bei der Pflege seines Image allzu kleinkarierte Maßstäbe anzulegen.

Altersversorgung: Wahlgeschenk für Selbstständige

So Bundesfinanzminister Hans Matthöfer und die SPD-Minister nicht noch in der letzten Minute torpedieren, was Bundeswirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff vorbereitet hat, wird die Bundesregierung in der kommenden Woche eine neue Wohltat präsentieren, die – mit Blick auf den Wahltag im kommenden Jahr – den rund 1,5 Millionen Selbständigen in der Bundesrepublik zugute kommen soll: Bonn will die steuerliche Gleichbehandlung aller Freiberufler mit den abhängigen Arbeitnehmern bei der Vorsorge fürs Altenteil akzeptieren.

Flugpreise: Kartell kaputt

Zwei Wochen lang feilschten die Tarifexperten der Luftfahrtgesellschaften im letzten Monat am Genfer See darum, wie hoch der Treibstoffzuschlag zu den Flugpreisen sein soll.

Börsen-Report: Sommerloch

Fehlen ausländische Kaufaufträge, schrumpfen in den deutschen Börsensälen die Umsätze auf ein Minimum. Das gilt auch für den Rentenmarkt, der die neue Bundesanleihe keineswegs mit offenen Armen aufgenommen hat.

Gespräche am Bankschalter: Notgroschen in Übersee

Die Neigung der Westeuropäer, einen Teil ihres Vermögens in Nordamerika zu investieren, wächst weiter. Dem Wunsche ihrer Kundschaft folgend haben sich auch deutsche Banken vermittelnd in dieses Geschäft eingeschaltet.

ZEIT spart Geld

Der Kapitalmarkt nahm Abschied vom Achtprozenter. Zur Zeit wird eine Bundesanleihe mit einem Nominalzinssatz von 7,5 Prozent zum Ausgabekurs von 99,50 Prozent angeboten.

Wie Vorstadtkinos überleben: Mit Politik statt Porno

Das Mißgeschick passierte gleich dreimal hintereinander. Das an der Hamburger Grindelallee gelegene Vorstadtkino Thalia konnte seinem Publikum drei kassenfüllende Filme, "Die Ehe der Maria Braun", "Ein Käfig voller Narren" und "Die durch die Hölle gehen", nicht zeigen.

Frankreich: Das Ende eines Märchens

Für den Michelin gilt es, neben dem Ritz, als eines der beiden besten und angenehmsten Luxushotels von Paris: das Plaza-Athénée mit seinen 213 Zimmern, der exquisiten Lage an der Avenue Montaigne und dem Zwei-Sterne-Restaurant (Spezialität: Hummer-Soufflé).

Ungarn: Weniger Bürokratie, mehr Schweine

Während die Agrarpolitik der Europäischen Gemeinschaft zu Lasten des Verbrauchers von Jahr zu Jahr bürokratischer; wird, bemüht sich das kommunistische Ungarn heute um Entbürokratisierung der Landwirtschaft.

ZEITRAFFER

Die Lohnsteigerungen sollten nach Ansicht des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung im kommenden Jahr im Durchschnitt nicht über vier Prozent liegen.

MANAGER UND MÄRKTE

Was viele Tankstellenbesitzer und Heizölhändler seit Jahresbeginn erwarten, geschieht jetzt: die Preise am Rotterdamer Ölmarkt sinken.

Schulden abbauen

Funcke: Die FDP hat auf ihrem Parteitag in Bremen ein Programm zur Steuervereinfachung in Verbindung mit Steuersenkungen vorgelegt.

Ich bin ein Antistar

Frauenbilder. Luzi liebt Urlaub auf Mallorca, mag Blumentapeten, Aschenbecher in Herzform und Stofftiere. Beim Nachmittagskaffee warnt sie ihre Freundin vor der Ostpolitik der Bundesregierung.

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