Was viele Tankstellenbesitzer und Heizölhändler seit Jahresbeginn erwarten, geschieht jetzt: die Preise am Rotterdamer Ölmarkt sinken. Die Chancen der Freien auf baldige Rückkehr ins Geschäft wachsen mit den günstigeren Einkaufsmöglichkeiten.

Für einen der größten Mineralölhändler, Erhard Goldbach, kommt die frohe Kunde aus dem niederländischen Ölbasar freilich zu spät. Im Vertrauen auf bald sinkende Preise hatte Goldbach den Treibstoff an seinen 230 Goldin -Tankstellen monatelang unter Preis verkauft, bis er in die Pleite schlidderte.

Die Bochumer Staatsanwaltschaft sähe den seither flüchtigen Mineralölhändler und Fußballmäzen nun gern hinter Gittern, wo er seinem kaufmännischen Betriebsleiter Werner Sonnenschein, seinem technischen Direktor und Vetter Jürgen Tschorn sowie seinem Steuerberater Heinz Tennert Gesellschaft leisten könnte. Goldbach wird Steuerhinterziehung und Betrug vorgeworfen.

Im Vergleich zum vermutlichen Schaden von mindestens 175 Millionen Mark nimmt sich die auf Goldbachs Ergreifung ausgesetzte Belohnung von 10 000 Mark bescheiden aus. Am Wochenende können die geprellten Gläubiger vielleicht schon wieder Mut fassen. Denn Vergleichsverwalter Wulf-Gerd Jongeleit hofft einen Käufer für die Tankstellen präsentieren zu können, der die Konkursmasse kräftig anreichert.

„Das läuft allmählich auf den Streit um des Kaisers Bart hinaus“, meint Karl-Wilhelm Lott, Sprecher der Deutschen Shell, zur Kontroverse der Mineralölwirtschaft mit dem Bundeskartellamt.

Shell hatte aus einem Brief des Kartellamts zitiert, in dem die Wettbewerbshüter unter anderem bestätigen, daß Shell die vom Amt angeforderten Daten zur Untersuchung der jüngsten Benzinpreiserhöhung vollständig, richtig und glaubwürdig zur Verfügung gestellt hat. Soweit stimmt das Kartellamt zu.