Es gibt Reiseführer für Schlemmer und Diätbewußte, für Rollstuhlfahrer und Globetrotter, für Mütter und Studenten, für Sportler, Singles und Senioren. Wen wundert’s, daß nun auch der Gruppe der reisenden „Linsenträgern“ besondere Beratung zuteil wird, keiner von uns soll sich schließlich in der Fremde verstört die Augen reiben, wir wollen versichert sein, auch gegen Sonne und Sand – mithin die ärgsten Feinde, gegen die der linsenverstärkte Augenmensch im Sommerurlaub zu kämpfen hat.

Praktische Tips für die Sommerreise verspricht so ein Prospekt, der bei allen Kontaktlinsen-Spezialisten zu haben ist. Er führt unter anderem SOS-Telephonnummern im europäischen Ausland – von Norwegen bis Griechenland – auf und spart auch nicht mit nützlichen Hinweisen.

So rät er nicht nur, die Sonnenbrille besonders fleißig zu benutzen (Linsenträger sind besonders lichtempfindlich), sondern empfiehlt dem kurz- oder weitsichtigen Urlauber auch, sich zum Reisebeginn ausreichend mit Reinigungs-Lösungen für das Linsenpaar einzudecken: Erstens ist die Chance gering, beim ausländischen Optiker das jeweils notwendige Pflegemittel zu finden, zweitens das Leitungswasser in südlichen Ländern selten zum Waschen der Linsen geeignet.

Mit im Gepäck haben sollte der Linsen-Tourist ebenso den sechssprachigen „Kontaktlinsen-Ausweis“ (auch beim hiesigen Optiker zu bekommen), mit dem er mühelos bei möglichen Unfällen, Polizei- oder Grenzkontrollen nachweisen kann, daß seine Brille zu Recht im Handschuhfach des Autos liegt (im Führerschein steht schließlich der Vermerk, daß der Besitzer Brillenträger ist).

Ansonsten verdankt der seh-korrigierte Mensch zwar der „weichen“ Linsenwelle, daß er ungetrübt am Strand auch mal ein Schläfchen machen kann. Sollte er sich freilich nach einem Sonnenbad doch mal rotäugig im Hotelzimmer wiederfinden, sollte er spätestens am Disco-Abend, der Schonung wegen, auf die kosmetischfreundliche Sehhilfe verzichten. Vielleicht kommen ihm dann ja auch all die Mit-Tänzer sehr viel schöner vor, wenngleich natürlich eine „Ersatzbrille“, so der Linsen-Prospekt, in jedem Falle anzuraten sei.

Für sehbehinderte Taucher ., und Schnorchler zum Schluß noch ein besondere Tip: wer sich mit Linsen nicht in die Tiefe wagen will (bei richtiger Handhabung freilich kein Problem), der kann sich in Sportgeschäften auch mit einer geschliffenen Spezialbrille eindecken. Sie kostet, auch bei extremen Korrekturen, nicht viel mehr als 100 Mark.