theater ist nicht zu stoppen

Von Gunhild Freese

Das Mißgeschick passierte gleich dreimal hintereinander. Das an der Hamburger Grindelallee gelegene Vorstadtkino Thalia konnte seinem Publikum drei kassenfüllende Filme, "Die Ehe der Maria Braun", "Ein Käfig voller Narren" und "Die durch die Hölle gehen", nicht zeigen. Der Grund: Alle drei Filme wurden von den Erst- und Uraufführungskinos in der City blockiert.

"Dagegen", so tröstet sich der Thalia-Besitzer, "kann man nichts machen. Die Erstaufführungstheater können die Filme so lange laufen lassen, wie sie wollen. Die Bezirkstheater müssen eben warten."

Tatsächlich ist diese Praxis zwischen Filmverleihern und Kinobesitzern nichts Neues. Erst- und Uraufführungstheater bekommen Terminverträge, die Vorstadt- und Provinzkinos schließen Rahmenverträge über bestimmte Filme ab.

Neu hingegen isr die Blockade der Filme in den Citys. Während früher die neuen Filme höchstens acht Wochen in den Innenstadtkinos liefen, kommen sie heute nicht selten auf über zwanzig Wochen. "Nach 26 Wochen", so der Thalia-Besitzer, "haben die Leute den Film längst in der Innenstadt gesehen."

Diese für die Kleinen zunehmend schwierige Wettbewerbssituation ergibt sich aus der besonderen Findigkeit einiger weniger Kinobesitzer. So wurden in den Innenstädten, in Bahnhofsgegenden und in den Vergnügungsvierteln einstmals große Kinos mit tausend und mehr Sitzplätzen zerstückelt und zu Kinozentren umgebaut, die bis zu acht Theater umfassen.