Die Köstlichkeiten aus dem Schiffbauch werden jedem Kreuzfahrer zum Verhängnis

Von Wolf gang Ebert

Die Waage wandert mir sofort aus dem Badezimmer in den Keller. Ihr Anblick ist mir ein Greuel geworden. Außerdem zeigt sie falsche Gewichte an. Es ist doch ganz unwahrscheinlich, daß ein Mensch während einer einwöchigen Kreuzfahrt jeden Tag ein Pfund zunimmt.

– Als ich in Genua an Bord der „Vistafjord“ ging, war ich allenfalls vor der Seekrankheit und den Stürmen in der Biscaya gewarnt worden, nicht aber vor den Gefahren, die von den ständigen Verlockungen des Gaumens ausgehen.

Es sind schon ungeheure Quantitäten, die da aus den wohlgefüllten Speisekammern des Schiffes in die Bäuche der Kreuzfahrer wandern, und nur ein eiserner Wille zum Maßhalten kann diesen Genüssen widerstehen.

Als besonders gefährlich für die Linie – Faustregel: nach einer Woche paßt kein Anzug mehr, nach drei Wochen passen Mercedesfahrer nicht mehr in den eigenen Wagen – erwies sich das Imbißbüfett vor Mitternacht, von dem ich geradezu magisch angezogen wurde und vor dem zukünftige Kreuzfahrer mit Figurproblemen nicht ausdrücklich genug gewarnt werden können. Sieben Stunden später wird schon wieder ein Vorfrühstück für Frühaufsteher serviert, dem folgt das richtige Frühstück – mit Backwaren aus der Schiffsbäckerei, und am hellen Vormittag gibt es für Passagiere, die bis zum großen Mittagessen nicht durchhalten, noch eine Bouillon. Bei gutem Wetter kann man auf das Mittagessen auch verzichten und sich statt dessen vom Lunchbüfett „Udo“ am Swimming-pool selbst bedienen. Hier wurden mir die frischen Waffeln mit Eisballen zum Verhängnis.

Damit wir in der Zwischenzeit nicht verhungern, wird vor dem Abendbrot noch ein Tee mit Gebäck gereicht. Und dann erleiden wir wieder die Qual der Wahl: Die Speisekarte bietet vier Suppen, vier Vorspeisen, vier Hauptgerichte, dazu gibt es noch Gegrilltes und Fischspeisen und diverse Desserts.