Junge Leute fragen: Gemeinsamer Sportunterricht für Jungen und Mädchen?

Ein gemeinsamer Sportunterricht müßte auf die verschiedenen Interessen von Jungen und Mädchen eingehen, und es würde dadurch ein sehr vielseitiges Angebot entstehen, das sich nicht nur auf geschlechtsspezifische Sportarten beschränken würde. Ein gesunder Ehrgeiz würde sich untereinander entwickeln, worunter ich verstehe, daß das eine Geschlecht das andere als sportlichen Konkurrenten sieht und es dadurch auch akzeptiert. Daher ist für mich ein gemeinsamer Sportunterricht Emanzipation im Sinne gleicher Möglichkeiten der Entfaltung für beide Geschlechter – die logische Fortsetzung des Gedankens „Chancengleichheit“.

Karin Kirschner, 16 Jahre

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Was spricht eigentlich gegen den koedukativen Sportunterricht? Schon als Kinder toben Mädchen und Jungen gemeinsam auf den Straßen, Spielplätzen und im Kindergarten herum. Doch dieser Sport ist nicht dem der Schule gleichzusetzen. Im Bereich der Schule herrschen andere Maßstäbe, die sich unter anderem in der Schultradition begründen lassen. Es treten möglicherweise Probleme auf, die eine Schule, beziehungsweise einen Lehrkörper, daran hindern können, einen koedukativen Sportunterricht durchzuführen: traditionelles Schulsportverhältnis; Jungen: Kampf und Kraftsport, Mädchen: feminine Sportarten (Gymnastik), sowie die pubertäre Entwicklung. Außerdem lassen sich nicht so leicht alle Sporarten koedukativ ausführen (Handball).

Betrachtet man die angeführten Punkte, so drängt sich eine Änderung des Schulsportverhältnisses auf, um einen koedukativen Typ zu ermöglichen. Der Sportunterricht darf nicht mehr so stark auf Leistung getrimmt sein. Durch eine Art des „Spielsports“ könnten auch mehr soziale Aspekte vermittelt werden. Der Mitschüler ist nicht mehr ein Konkurrent im Notenkampf, sondern ein gleichberechtigter Partner im Sportunterricht.

Ferner ermöglicht der koedukative Sportunterricht, althergebrachte Rollenverständnisse wie „Fußball ist nichts für Mädchen“ oder „Gymnastik ist Mädchensache“ abzubauen. Außerdem wäre so beiden Geschlechtern die Möglichkeit gegeben, eigentlich von der Gesellschaft verpönte Sportarten auszuüben. Doch bis zur Einführung des koedukativen Sportunterrichts bedarf es eines gesellschaftlichen Umdenkungsprozesses, den es sicher auch bei der Einführung von koedukativen Schulen gegeben hat. Aber nun ist es an der Zeit, daß die koedukative Erziehung ihr Endstadium erreicht. Vera Didszun, 19 Jahre