Die Neigung der Westeuropäer, einen Teil ihres Vermögens in Nordamerika zu investieren, wächst weiter. Dem Wunsche ihrer Kundschaft folgend haben sich auch deutsche Banken vermittelnd in dieses Geschäft eingeschaltet. Allerdings macht es der zunehmende Mangel an guten Objekten unmöglich, die Nachfrage voll zu befriedigen.

Wer die Immobilienanzeigen der großen deutschen Zeitungen studiert und dort die zahlreichen Angebote zum Erwerb amerikanischer Immobilien findet, merkt noch nichts von einer Mangellage. Nur ist eben längst nicht alles „Qualität“, was clevere Immobilienvertreter in der Bundesrepublik anzubieten haben. Zum Teil handelt es sich um IOS-Veteranen des Investment-Weltbeglückers Bernie Cornfeld, die wieder einmal wittern, wo das Geld zu locker sitzt. Es hat schon einmal eine Zeit gegeben, da man, in der Bundesrepublik amerikanisches Sumpf- und Wüstengelände ohne Schwierigkeit als „aussichtsreiches Investment“ flott verkaufen konnte.

Was treibt die Anleger gegenwärtig in die USA? „Für Europäer ist die Anlage eines angemessenen Vermögensanteils in Nordamerika ein wichtiger Sicherheitsfaktor. Dies gilt für europäische Unternehmen wie auch für Privatpersonen.“ Diese Meinung vertreten die Geschäftsführer der in Hamburg residierenden Lehndorff Vermögensverwaltung GmbH, die in den USA und Kanada ein Immobilienvermögen im Wert von rund 2,2 Mrd. Dollar bewirtschaften.

Dies bestätigt der Herausgeber der in Bad Homburg erscheinenden USA Immobilien-Analyse, Paul G. Irmer: „Begüterte Bundesbürger sehen häufig als sicheren Ort für ihr Erspartes nicht mehr Europa, sondern die USA an, und immer mehr Investoren tragen sich mit dem Gedanken, Grundbesitz in den USA zu erwerben. Parallel mit diesem Gedanken läuft häufig der Wunsch, ein Einwanderungsvisum für die USA zu besitzen. Man möchte das Visum für den ‚Fall der Fälle‘ in Reserve haben. Vielleicht hat man ja das Glück, am Tage X im ‚letzten Flugzeug‘ zu sitzen.“

Nun erwirbt niemand mit einer Immobilie auch den Anspruch auf ein Einreisevisum für die USA. Ein Visum setzt nämlich voraus, daß der Investor mindestens 40 000 Dollar in eine Firma investiert, an deren Geschäftsführung er aktiv beteiligt sein muß. Diese Firma muß dann mindestens einen amerikanischen Arbeitnehmer beschäftigen.

Eine gewisse Chance auf ein Einwanderungsvisum hat derjenige, der nachweist, daß seine finanziellen Mittel ausreichen, um in den USA auf die Dauer leben zu können. Wer dieses Visum erhalten hat, muß aber auch tatsächlich einwandern, sonst wird es nach einiger Zeit wieder ungültig.

Bei Lehndorff betrachtet man die auf dem nordamerikanischen Kontinent investierten und von europäischen Kunden zur Verfügung gestellten Mittel nicht als Fluchtgelder, sondern sieht sie als Teil einer weltweiten Vermögensdiversifikation. Die Tatsache, daß USA und Kanada auf Grund eigener Rohstoff vorkommen von weltweiten Störungen weniger betroffen sein werden als Westeuropa – eine vernünftige Politik vorausgesetzt –, hat in den letzten Monaten zur Verstärkung der Nachfrage nach nordamerikanischen Immobilien beigetragen. Bemerkenswert ist dabei, daß nach Lehndorff-Feststellungen besonders das Interesse für kanadische Objekte wächst. Das Image Kanadas, ein reiches Rohstoffland mit noch unerschlossenen Energiequellen zu sein, im Gefolge der weltweiten Ölkrise hilft dabei mit. Hinzu kommt, daß Kanada ein Staat mit stabilen politischen Verhältnissen ist.