Der Siegeszug des Fahrrades als Urlaubsgefährt begann schon lange vor der Benzinmisere. Vor sieben Jahren etablierte sich der erste deutsche Spezial-Radl-Reise-Unternehmer, die „Rotalis Sport- und Kulturfahrten in Zorneding“, auf dem Veranstaltermarkt. Heute buchen dort zweitausend Aktivurlauber ein- bis mehrwöchige Ferien im Sattel. Inzwischen propagieren auch viele in- und ausländische Fremdenverkehrsämter verstärkt die gesunde Strampelei. Allerdings lassen Räder, Wegkarten und Organisation häufig zu wünschen übrig.

Die Leihräder müssen nicht unbedingt zur Gattung der superteuren Rennmobile mit Zehngang-Schaltung gehören; doch manche Ferien-Fahrradverleiher berücksichtigen bei ihrem Angebot weder die Sicherheit noch das Komfortbedürfnis der Benutzer.

Empörung müssen bei Frischluft suchenden Gästen auch manche Radtour-Vorschläge hervorrufen. Denn was Fremdenverkehrsämter gelegentlich stolz als „Radweg“ in ihrem Urlaubsprogramm ausweisen, entpuppt sich oft als verkehrsreiche Landstraße oder kaum befahrbare Schotterpfade. Es sollte Fremdenverkehrsdirektoren zur Pflicht gemacht werden, jeden ihrer „Radwege“ als Pedaltreten selbst zu testen! Aber auch die Beschilderung der angepriesenen Radl-Routen verdient selten Lob.

Die Kritik am Kartenmaterial gilt unter anderem auch für die Deutsche Bundesbahn, die mit ihrem Aktivierungsprogramm „Rad am Bahnhof“ Leihräder unterschiedlicher Qualität und lieblos gemalte Faltblätter mit Routenvorschlägen offeriert. Gute Führer für den Fahrradsport existieren hingegen bei einigen städtischen und regionalen Verkehrsämtern, zum Beispiel in München, Stuttgart oder Köln.

Touristische Fahrradarrangements mit Leihrad, Begleitung, Übernachtung, Halbpension und Transporthilfen bieten vor allem die „flachen“ Urlaubsländer an. In Dänemark kann man in diesem Sommer genau 23 verschiedene Fahrten unternehmen. Die bekanntesten: Ausflüge über die Insel Fünen (zu buchen bei „Fyntours“ in Svendborg) und eine Sieben-Tage-Reise über den legendären Heerweg in Jütland (Auskünfte beim Fremdenverkehrsamt der Stadt Viborg).

Ein Dutzend verschiedener Arrangements bieten die niederländischen Provinzen Gelderland und Overijssel an. Auskünfte geben die Niederländische Fremdenverkehrszentrale in Köln und das Fremdenverkehrsamt der Stadt Arnheim/Holland.

Die Irischen Fremdenverkehrszentralen informieren über Radrundtouren von Dublin, Shannon und Cork aus. In Finnland zählen die Älandinseln zu den bevorzugten Radelterrains. England hat mehrere Versuche unternommen, diesen Sport unter den Touristen zu fördern. Die bekanntesten Ferienangebote kommen inzwischen aus dem Ort Yoxfort, Grafschaft Suffolk, von dem in diesem Sommer allein fünf verschiedene begleitete Ein-Wochen-Touren ausgehen.

Fünf- bis siebentägige Radprogramme rund um den Genfer See organisieren in Lausanne die „Welcome Swiss Tours“. Preis: von 450 Mark an. Werbeschlager ist der Fahrzeugpark, der vorwiegend aus Rennrädern mit Zehngangschaltung besteht. Brigitte Zander