Immerhin: Gegenüber Karl Carstens hat der Bremer Finanzsenator Henning Scherf seine rüde Attacke zurückgenommen. Aber gegenüber Richard Stücklen und Franz-Josef Strauß will er nichts abstreichen von seinem öffentlich geschilderten Alptraum, der ihm ein Dreigespann aus dem gegenwärtigen Staatsoberhaupt, dem Parlamentspräsidenten und einem möglichen Kanzler Strauß so erscheinen ließ, „als ob dieser Staat an eine Gang abgetreten“ wäre.

Daß er das Wort „Gang“ nur dem Hafenjargon entliehen hat, wo es die Hand-in-Hand-Arbeit derjenigen meint, die Schiffe löschen und beladen – das wird der Senator dem Publikum nicht ernsthaft einreden wollen. Zu eindeutig ist der Tenor seines Satzes, als daß hier Bremer Schnack als Ausflucht dienen könnte.

Deshalb sollte er auch gegenüber Stücklen und Strauß zurückstecken, selbst wenn der Kanzlerkandidat, in anderem Zusammenhang, die gleiche Tonart anschlägt: etwa mit der Bemerkung, Egon Bahr habe die Lüge zum politischen Prinzip erhoben, wenn es darum gehe, die Wähler über die eigenen Absichten zu täuschen.

Getäuscht werden die Wähler freilich auch auf eine ganz andere Weise. Denn hinter den verbalen Rüpelszenen drohen die Sachprobleme zu verschwinden, um die es in der Parteienkonkurrenz gehen sollte. Das müßte gerade einen Mann wie Scherf noch mehr bedrücken als der Alptraum, der ihn plagt. Im Grunde zeigt seine Formulierung die momentane Unsicherheit vieler Sozialdemokraten gegenüber dem Herausforderer Strauß an. Aber das ändert nichts daran, daß er sich in der Wortwahl völlig vergriffen hat.

Dem Bremer Senator stünde darum eine mannhafte öffentliche Entschuldigung gut an, ebenso natürlich dem bayerischen Ministerpräsidenten. Wenn man sie von Strauß wohl nicht erwarten kann, von Scherf muß man sie erwarten können. Für viele hellhörige Wähler macht das den Unterschied aus. c.-c. k.