Millionenfache Bewunderung schlägt an jedem Fernsehabend all jenen Moderatoren oder Korrespondenten entgegen, die ihre Texte vor der Kamera geradezu spielend und dazu noch druckreif aus dem Gehirn schütteln. Teufelskerle das alles – die Damen unter ihnen natürlich eingeschlossen.

Dem österreichischen Teil dieser Gilde der Superklugen wurde jetzt Schreckliches angetan. Ein Herr Marboe hat ihnen ihr wichtigstes Gut geraubt: den Nimbus.

Ernst Wolfram Marboe, Intendant von FS 1 des österreichischen Rundfunks, hat den Präsentatoren schlichtweg untersagt, weiterhin den „Auto-cue“ zu benutzen, das Ablesegerät also, mit dessen Hilfe sich die freie Rede trefflich vortäuschen läßt. Der Intendant will die Starrheit aus dem Programm verbannen, er hält nichts von Sprechmaschinen, die mit irrlichterndem Blick Texte ablesen. Die österreichischen Bildschirm-Asse indes wollen nicht klein beigeben; der Redakteurssprecher hat schon einen „offiziellen Protest“ angekündigt.

Telebiss hat beobachtet, daß während der letzten Jahre auch bei uns immer mehr Fernsehkollegen der Verführung erlegen sind, mit technischer Hilfe selbst die kompliziertesten Wortkaskaden scheinbar frei zu formulieren. Das Hilfsgerät – als „Auto-cue“ aus Amerika importiert – ist raffiniert ausgetüftelt: Der abrollende Text, kurz vor der Sendung der Sekretärin diktiert, wird in das Objektiv der Kamera eingespiegelt. Die Blickrichtung stimmt also, wenngleich die vom österreichischen Intendanten beklagte Starrheit auch bei aller Routine nie ganz verschwinden kann.

Bei den alten Apparaten liefen die Zeilen etwas über oder unter, zuweilen auch neben der Kamera. Für den Zuschauer war das irritierend, gerade so, als ob einen der Gesprächspartner unablässig auf die Stirn, auf den Schlips oder auf das Ohr sieht.

Das Abrolltempo wird auf die Sprachgeschwindigkeit des Vortrages eingestellt. Alte Füchse geben noch „einen Zahn drauf“ – denn durch eine Fußtaste können sie ihr Lesewerk jederzeit anhalten und wieder Anschluß gewinnen. Schlimm wird es dagegen, wenn bei hastigem Sprechen der Text nicht schnell genug nachkommt und der ausdrucksvolle Sprachfluß in peinliches Stocken gerät.

Die Pausentaste hat übrigens noch einen weiteren Vorteil: Sie gibt dem Moderator die Möglichkeit,auch mal auf das aus Tarnungsgründen vor ihm liegende Papier niederzubücken. Das sieht dann so aus, als hole er sich in großen Abständen ein kleines Stichwort aus seinen Unterlagen.