Von Fritz J. Raddatz

Eigentlich kein Buch, das man Rezensieren kann; eher Thesen und Gedanken eines Autors, über die man mit ihm diskutieren möchte:

Peter Brückner: „Über die Gewalt. Sechs Aufsätze zur Rolle der Gewalt in der Entstehung und Zerstörung sozialer Systeme“; Wagenbach Verlag, Berlin 1979; 141 S., 8,50 DM.

Nicht alle Aufsätze des Bandes sind beträchtlich, einige variieren bekannte politische Positionen des störrischen Wissenschaftlers, wie etwa seine Überlegungen zur RAF.

Brückners protestantische Haltung ist immer integer, sympathisch, sein Entsetzen über falsch bewahrte Freiheit tief: „Wenn die Soldaten wirklich für unser aller Freiheit töten, so müßten wir sofort aufspringen und unsere Freiheit zurückgeben.“ Für mich war der Exkurs „Über die Rolle der Gewalt in der Konstruktion und Zerstörung sozialer Systeme“ der zentrale Text; gleichzeitig der, dem zu folgen ich die größten Schwierigkeiten habe.

Brückner will Revolution. Den Prozeß, die eine lediglich terminologische Neufassung der historisch-mattrialistischen These vom Klassenkampf, „Organisierte Oerhichte, was eine ich damit? In welchem historischen Zusammenhang steht da Revolution? Geschichte wird da aufgefaßt als ein zwar komplexer, aber durch bestimmte nachweisbare Gesetzlichkeiten determinierter und auch vereinheitlichter Prozeß, in dem die Dynamik des Prozesses, so jedenfalls in der marxistischen Theorie, die Bewegung selber, aus dem Widerspruch zwischen der Entwicklung der Produktivkräfte und der Produktionsverhältnisse kommt; aus dem Klassenkampf, das heißt also aus der Abfolge der Auseinandersetzungen zwischen dem Proletariat einerseits und den Vertretern des Privateigentums an den Produktionsmitteln und des dazugehörigen Staatsapparates andererseits.“

Damals dort wie heute hier: Die Grundlage dieses Geschichtsentwurfs ist das anthropologische Konzept „Der Mensch ist gut“. Dem modernen bürgerlichen Staat, Konfliktregler und Inhaber des Gewaltmonopols, wird die Möglichkeit abgesprochen, diesem Menschen irgendeine Entwicklungschance zu geben. Brückner weiß, vovon er spricht, er hat vielfältige Erfahrungen mit dem gesellschaftlichen „odd man out“ unserer Tage; mit sich.