Im kriegerischen Konflikt um die ehemals spanische Provinz Westsahara, die in dem von Mauretanien besetzten Teil an die „Polisario“ abgetreten worden ist, bilden sich neue Fronten.

Algerien und Mauretanien haben die vor drei Jahren wegen dieses Konflikts abgebrochenen diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Die Polisario-Guerillas ließen küzlich nach dem Abschluß eines Friedensvertrages mit Mauretanien 61 Kriegsgefangene dieses früheren Gegners frei. Die Vereinigten Staaten, die sich bislang mehr oder weniger neutral verhielten, nehmen jetzt nach Ansicht Algeriens eindeutig Partei für Marokko. Als erster westlicher Politiker hatte der US-Kongreßabgeordnete Stephen Solartz die von Marokko besetzten Sahara-Gebiete besucht und damit indirekt die Gebietsansprüche Rabats anerkannt.

Seit dem vergangenen Wochenende weht die marokkanische Flagge über Dakhla, der Provinzhauptstadt und einzigen größeren Ortschaft der von den Mauretaniern geräumten Westsahara-Provinz. Die dort lebenden Nomadenstämme werden nach marokkanischen Meldungen in Kürze König Hassan in Rabat huldigen.

Als „Provokation“ und Vorbereitung einer von Marokko ins Leben gerufenen Marionettenregierung wurde in Mauretanien die von dem ehemaligen mauretanischen Luftwaffenchef und Erziehungsminister Mohammed Ould Abdelkader in Rabat verkündete Bildung einer „demokratischen islamischen Front“ und eines „Komitees freier mauretanischer Offiziere“ angesehen. Abdelkader behauptete, hinter ihm stünden diejenigen Mauretanien die mit der Kapitulation vor der Polisario unzufrieden seien.

Abdelkader hat nach mauretanischer Darstellung angeblich keinerlei Einfluß auf seine früheren Offizierskameraden und sei kürzlich wegen Korruption, Geldverschwendung und Anstachelung der Rassenspannungen in Mauretanien seines Amtes enthoben worden. Ohne Zweifel ist er nicht mehr als ein marokkanischer Strohmann.

Mauretanien hat inzwischen die Vereinten Nationen und die Organisation Afrikanischer Einheit „nach der militärischen Besetzung unserer Provinz durch Marokko“ um den Schutz seiner Grenzen gebeten. Gleichzeitig forderte Nuakschon Marokko auf, den angekündigten Rückzug seiner 6000 Soldaten aus Nordmauretanien „sofort“ einzuleiten.

Der marokkanische Außenminister Boucetta kündigte an, diese Soldaten sowie die aus Zaire abgezogenen Elitetruppen würden in der mauretanischen Westsahara-Provinz stationiert. Außerdem würden Waffen an die Bevölkerung an der algerischen Westgrenze ausgegeben, um einer „Aggression der algerischen Protze“ besser Widerstand leisten zu können. D. Z.