Freiheit oder Journalismus!

Einer von „155 Bedenksätzen“, die Helmut Lamprecht, Redakteur bei Radio Bremen, im Verlag Atelier im Bauernhaus, Fischerhude, publiziert hat. Titel des Bandes: „Früher hat Lächerlichkeit getötet“.

Professor Vlado Kristl

„Deshalb sollte die Stadt München eine Lösung finden, die es Vlado Kristl gestattet, seine so unbequeme wie unersetzliche Kulturarbeit fortzuführen. Was jetzt nötig ist, ist Geld für den Widerspruch, damit Vlado Kristl kein Ausländer der Kunst mehr sein muß“: Mit diesen Sätzen endete in der vergangenen Woche ein Kommentar der ZEIT über den in München lebenden, von der Ausweisung bedrohten jugoslawischen Künstler Vlado Kristl. Bevor noch die Stadt München auf unseren Appell reagieren konnte, erhielt Kristl ein Telegramm aus dem Norden: „Die Hochschule für Bildende Künste in Hamburg bittet Sie, einen Lehrauftrag von zunächst zwei Semester-Wochenstunden während des Winter-Semesters 79/80 als Professor anzunehmen. Die Frage nach der Aufenthaltsgenehmigung dürfte damit zugleich geregelt sein. Man wird weitersehen. In großer Hochachtung vor Ihrer künstlerischen Leistung und mit besten Wünschen Prof. Dr. Carl Vogel, Präsident der Hochschule für Bildende Künste Hamburg.“ Vlado Kristl, der schon ein neues Asyl für sich in Spanien ins Auge gefaßt hatte, bleibt uns also erhalten. Und noch eine gute Nachricht: Der Verlag Roter Stern plant, demnächst eine Reihe von Kristls Arbeiten zu publizieren,

Ein Museum für Tucholsky?

Manchmal haben Rundfunksendungen doch einen Sinn: Als im Dezember vergangenen Jahres der Sender Freies Berlin (in einer vom Westdeutschen Rundfunk übernommenen Sendung) auf den Skandal hinwies, daß Kurt Tucholskys Geburtshaus, Lübecker Str. 13 in Berlin-Moabit, abgerissen und dort ein Parkhaus gebaut werden sollte, hatte das doppelten Erfolg. Das Kunstamt Moabit schaltete sich ein, und der Vorstand der ARAL bot finanzielle Unterstützung (bis zu einer Million Mark) zur Errichtung einer Gedenkstätte. An deren Zustandekommen – nach Wahlkampfpause und Ämterferien – wird jetzt gezimmert, nicht ohne Schwierigkeiten und gewiß noch mit viel Aufschub: Mary Tucholsky – soeben mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet – führte diverse Verhandlungen, stellte Material ihres Archivs in Aussicht; Professor Zeller bot Leihgaben aus dem Schillerarchiv Marbach (wo große Teile des Tucholsky-Nachlasses liegen); eine Gruppe von Autoren – Bernt Engelmann, Yaak Karsunke, Ingeborg Drewitz – sagten Unterstützung und Gerhard Zwerenz das Entleihen von Kurt-Tucholsky-Memorabilien zu. Doch vorerst wohnen noch 30 (ungekündigte) Mietparteien in den Wohnungen mit Ofenheizung, definitive Beschlüsse des Bezirksamts sind keineswegs gefallen, und ein Umbau weder kalkuliert noch gar in Angriff genommen. Der Jubelruf „Hier wird Tucholskys Schreibtisch stehen“, den die Gazetten zu künden wissen, ist verfrüht.