Kanzlers Eulenspiegeleien

Nachdem er den Gästen seines Bonner Sommerfests geraten hatte, keine Angst vor großen Tieren zu empfinden, hat der Kanzler jetzt zusammen mit Bürgermeister Stobbe für Anfang Oktober zu „Philharmonischen Eulenspiegeleien“ in Berlin eingeladen. So das Motto des Abends in der Philharmonie, wo Herbert von Karajan dirigieren, Loriot für die Conference sorgen und Jazzbands zum Tanz aufspielen werden. Zugunsten einer Spende für die Weltkinderhilfsorganisation haben alle Künstler auf ein Honorar verzichtet. Schon im letzten Jahr hatte Helmut Schmidt gemeinsam mit Dietrich Stobbe in Berlin zu einem Theaterfest gebeten.

Ohne Geschwafel

Die Pekinger Volkszeitung hat der chinesischen Jugend gut zugeredet, das wichtigtuerische Geschwafel abzulegen, das unter der „Viererbande“ in Mode gekommen war. Es hat aber den Anschein, als richte sich die Mahnung vielmehr an ältere Herren. Denn auch von Hua Guofeng hat man schon ähnliches vernommen wie die nun verpönte Allzwecklosung: „Die Lage im ganzen Land ist ausgezeichnet.“ Mit der Parole „Weniger leeres Geschwätz“ war Vizepremier Deng Xiaoping vor zwei Jahren auf die politische Bühne zurückgekehrt. Es ist ihm wohl immer noch zuviel.

Sinnlos totgeschlagen

Einblicke in die Provinz vermittelte die sowjetische Prawda in einem Leitartikel über die Freizeitgestaltung der Bevölkerung. „In einer Kleinstadt bei Charkow“, so vermeldete das zentrale Parteiorgan aus der Ukraine, „leben 30 000 Einwohner. Sie haben aber im Grunde keine Möglichkeit, ihre geistigen Bedürfnisse zu befriedigen ... Sie schlagen stumpf und sinnlos ihre Freizeit tot, auch deshalb, weil die Voraussetzungen für eine vernünftige Erholung nicht geschaffen worden sind.“ Aus dem Dschambul-Gebiet berichtet die Prawda von einer Siedlung, in der man sich von der Dämmerung an nicht mehr vor die Tür wagen könne, weil die Rowdys randalierten. „Und die Miliz, die Wachhabenden?“ fragt die Prawda. „Sie alle tun nichts dagegen.“

Leere Lehre

Der Druckfehlerteufel hat in der letzten Ausgabe der ZEIT auf besonders teuflische Weise den italienischen Kommunisten unterstellt, sie hielten den faschistischen „Duce“ Benito Mussolini für einen großen Denker. Tatsächlich aber hatte das Parteiorgan Unita eine Neuauflage von Aufsätzen und Reden Mussolinis „als historische Erkenntnisquelle für die Gedankenleere (nicht: Gedankenlehre) des Autors positiv gewürdigt“.