Vor ein paar Jahren noch galt der Luxusliner mit dem stolzen Namen France als Botschafterin des französischen Savoir vivre auf den Meeren der Welt. Dann kam die erste Energiekrise, und der Luxus wurde unbezahlbar. Die „Perle des französischen Schiffsbaus“ (L’Express), Symbol für das Prestige einer selbstbewußten Nation, machte im Hafen von Le Havre fest. Ihr Liegeplatz seit 1974: der Quai de l’oubli, der Quai des Vergessens.

Prestige ade? Ganz so schnell lassen die Franzosen nicht von liebgewordenen Vorstellungen. Als vergangene Woche der norwegische Reeder Knut Klosters das Ende Juni in Norway umbenannte Schiff in Richtung Ärmelkanal in Bewegung setzen wollte, sperrten französische Seeleute die Ausfahrt. Sie wollten wenigstens die Reparaturarbeiten an „ihrem“ Schiff ausführen.

Die France ist – trotz des letzten Gefechts – für Frankreich verloren. Ein zweites mit der Trikolore geschmücktes Prestigeobjekt kündet dagegen noch in aller Welt vom Ruhm französischen Genies: die Concorde das einzige Passagierflugzeug der Welt, das schneller als der Schall fliegt. Doch in Paris kursieren hartnäckige Gerüchte, daß die Concorde bald ein Opfer der zweiten großen Energiekrise werden könnte.

Prestige ade? Als die Pariser Wirtschaftszeitung Les Echos vor kurzem diese Vermutung äußerte, hagelte es Dementis von Air France und vom Verkehrsministerium. Doch der Betrieb der vier Concorde-Exemplare kostete die Air France 1978 nicht weniger als 99 Millionen Francs – etwas viel für ein Flugzeug, dessen technische Vorzüge unbestritten sind, das aber nie in die Gewinnzone fliegen wird.

Mit ihren Renommierprojekten haben die Franzosen seit jeher ihre liebe Not. Sie werden stets als demonstrativer Beweis für die Leistungsfähigkeit französischer Ingenieure gefeiert, bringen den nationalen Stolz in Wallung, ernten Respekt in aller Welt und haben nur einen Fehler: Sie sind kaum zu verkaufen.

Zur Zeit Charles de Gaulles galt das noch als fast unvermeidlicher Schönheitsfehler. Wer Renommee exportieren wollte, mußte, dafür Defizite in Kauf nehmen. Frankreich forcierte die Demonstration seines industriellen Leistungsvermögens, um endlich vom überholten Klischee des Agrarstaates wegzukommen. Begriffe wie Rentabilität galten in diesem Zusammenhang als kleinkariert, Gewinne waren nur bedingt einkalkuliert. Und der Staat zahlt die Zeche.

Die Concorde ist ein treffendes Beispiel für diese Politik. Sie wurde in Kooperation mit den Briten in den staatlichen Flugzeugwerken der SNIAS gebaut und der staatlichen Air France praktisch aufgezwungen. Die SNIAS erwirtschaftet seit langem keine Gewinne mehr, Air France bekommt Zuschüsse aus der Staatskasse.