Von Ulrich Völklein

Königsbrunn/ Augsburg

Das Schlimmste ist“, sagt Josef Pröll, „daß man sich heute dafür entschuldigen muß, wenn man im Dritten Reich gegen den Faschismus Widerstand geleistet hat und dafür ins Konzentrationslager eingesperrt worden ist: Da gilt man fast schon als Verbrecher.“ Der 68jährige Rentner Pröll hat Grund für diesen bösen Vorwurf. Die Schulleitung des Gymnasiums Königsbrunn bei Augsburg verbot ihm unlängst, über seine Erlebnisse und Erfahrungen aus dem Widerstand und jene neun Jahre zu berichten, die er in drei Konzentrationslagern der nationalsozialistischen Machthaber verbringen mußte.

Was ist in Königsbrunn geschehen? Fünf Schüler waren nach dem Besuch einer von der Schülermitverwaltung des Regensburger Albertus-Magnus-Gymnasiums ausgerichteten Ausstellung über den Widerstand gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft im Dritten Reich auf den Gedanken gekommen, daß dieselbe Ausstellung auch der eigenen Schule nicht übel anstünde. Trotz einiger Bedenken der Schulleitung (Oberstudiendirektor Günther Beck: „Eigentlich sollten Schüler so schreckliche Dinge nicht ohne ihre Eltern sehen“) wurde das Projekt genehmigt.

In den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien standen die Ausstellungstafeln in der Schulhalle des Gymnasiums: großformatige Photos ausgehungerter und geprügelter Häftlinge in Konzentrationslagern, Plakate und Statistiken des Grauens.

Obwohl diese Ausstellung von den Schülern sehr kurzfristig angeboten worden war, obwohl sie manchem Geschichtslehrer als zu einseitig erschien, wollte ihr der Schulleiter Günther Beck „aus erzieherischen Gründen“ nichts in den Weg legen: „Wir mußten uns sogar von gewissen Kreisen Linkslastigkeit vorhalten lassen.“

Widerspenstig wurde der Pädagoge erst, als die Schüler bemängelten, die Ausstellung sei ohne rechten Gegenwartsbezug. So die Schülerin Maria Thaler: „Bilder vom historischen Faschismus nützen wenig, wenn sie uns nicht auf die entsprechenden Gefahren heute aufmerksam machen.“ Dem aber könne auf zweierlei Weise entsprochen werden: Einmal durch die Vorführung des Filmes „Nazis, gibt’s die noch?“, der sich vor allem mit dem wiederaufgelebten Nationalsozialismus in rechtsextremistischen Jugendorganisationen auseinandersetzt und zum anderen durch die Befragung des Josef Pröll, eines Augsburger Rentners, der einer der wenigen einheimischen überlebenden Widerstandskämpfer gegen die Naziherrschaft sei.