Kernkraftwerke, die eine Alternative zum knappen und teuren Öl sind, brauchen Uran als Brennstoff. Aber auch das ist nicht unbegrenzt vorhanden. Deshalb hat ein Wettlauf um die Vorräte eingesetzt – die Uranländer sind umworben.

Auf einer langen Liste von Interessenten, die die australische Regierung zu Beginn dieser Woche geschlossen hat, finden sich mit der Saarberg-Gruppe und der Urangesellschaft auch zwei deutsche Bewerber für eine Beteiligung am australischen Uranerzbergbau. Seit die Regierung zu erkennen gab, daß sie sich von einer 50prozentigen Beteiligung am Vorkommen „Ranger“ trennen will, konnte sie sich vor Anfragen nicht mehr retten.

Aber erst Ende September werden die Interessenten erfahren, ob und zu welchen Bedingungen sie zum Zuge kommen werden. Soviel steht allerdings schon jetzt fest: Unter einer halben Milliarde Mark ist der Regierungsanteil nicht zu haben.

Wem es gelingt, sich in eines der größten Vorkommen der Welt einzukaufen, der wird einer der ersten Nutznießer einer neuen Uranstrategie des fünften Kontinents. Nach jahrelangem internen Streit hat sich Australien dafür entschieden, mit der Inbetriebnahme der Nabarlek-Mine und des Ranger-Vorkommens im tropischen Norden dem kleinen und feinen Club der Uran-Großerzeuger beizutreten.

Danach sah es zu Beginn der siebziger Jahre keineswegs aus, denn damals kam selbst die Suche nach Uran fast völlig zum Erliegen. Statt dessen produzierten Parlamentsausschüsse und unzählige Kommissionen Gutachten auf Gutachten, um den für das Land besten Weg der Uranausbeutung und Vermarktung zu suchen. Erst 1976, als die Liberalkonservativen die Wahlen gewonnen hatten, lief die Uransuche wieder an.

Und dabei könnte Australien längst zu den wichtigsten Uranprcduzenten gehören. Denn nach Schätzungen des „Institute for Strategie Studies“ besitzt das Land 18 Prozent der gesicherten Welturan-Reserven. Die Australier selbst billigen sich sogar 25 Prozent zu.

Jetzt, neun Jahre nach den letzten bedeutenden Uranfunden, beginnt der Abbau in industriellem Maßstab. Das kleine, aber ergiebige Nabarlek-Projekt holt das gesamte Rohmaterial bis zum Jahresende im Tagebau aus der Erde. Das gelagerte Gestein mit einer Konzentration von sieben Kilo Uranoxyd je Tonne wird dann in einer in der Zwischenzeit gebauten Aufbereitungsanlage verarbeitet. Mitte 1980 sollen die Lieferungen von 1100 Kilo jährlich beginnen.