New York, im August

Schwerfällig wie eine satte Ente hebt am 8. Dezember 1978 ein Fracht-Jumbo der Lufthansa, Flugnummer 460, in Frankfurt/Main ab. Im Bauch des Flugzeugs befinden sich unter anderem zwei Zentner amerikanischer Banknoten.

Diese Ladung (Absender: die Commerzbank in Frankfurt) soll den New Yorker Adressaten, die Chase Manhattan Bank, niemals erreichen Gute: 48 Stunden nach der Ankunft und Lagerung des Geldes in der Frachtflughalle Nr. 261 auf dem John F. Kennedy-Flughafen wird die Sendung im größten Überfall der amerikanischen Kriminalgeschichte geraubt. Nach den Ermittlungen eines New Yorker Sonder-Dezernats gerät der Hauptanteil des Vermögens schließlich in den Besitz eines Mafia-Clans.

Im Kampf der Unterwelt um die Beute des Lufthansa-Coups sind bisher acht Menschen ermordet worden.

Die Commerzbank hatte die Banknoten in fünf Ballen à. 20 Kilogramm aufgeteilt: Dollarscheine aus dem Geldwechsel-Geschäft im Rhein-Main-Gebiet, abgegriffene, grüne Lappen aus den Börsen der GIs und Touristen. Da jede US-Dollar-Note (egal, ob ein Dollar oder 100 Dollar) genau ein Gramm wiegt, wird sich der genaue Wert der Geldpakete später nicht ohne Hilfe der Commerzbank bestimmen lassen. Diese Hilfe bleibt vorerst aus. Die Frankfurter haben der Lufthansa einen Frachtgutwert von 96 000 Dollar angegeben. Der Grund, so ein Sprecher der Commerzbank: Der echte Wert einer Geldsendung werde bewußt verschleiert, um ja keine Verlockung für Diebe zu schaffen.

New Yorker Staatsanwälte und der Lufthansasprecher Felix Becker finden schließlich unabhängig voneinander zur gemeinsamen Sprachregelung: „Fünf Millionen Dollar in bar wurden geraubt.“ „Der Versicherer“, behauptet die Commerzbank, „hat prompt und in voller Höhe gezahlt, so daß der Bank kein Schaden entstanden ist.“ Doch den Namen des Valorenversicherers nennen die Bankiers nicht. Es ist (zu 60 Prozent) die Allianz-Versicherung.

Die Kiebitze und Pokerspieler, die Depot arbeiter und ihre Buchmacher, die Gelegenheitsdiebe und Stammgäste in den Kneipen von Ozone Park, an New Yorks Lefferts- und Linden-Boulevard beharren allerdings darauf, daß damals zehn Millionen Dollar aus Frankfurt angekommen seien und kein Cent weniger. Der Flughafen liegt in ihrer Nähe, die Landeschleife von Flug Nr. 460 führte das Dollar-Vermögen der Commerzbank am 8. Dezember dicht über ihren Köpfen hinweg auf die Rollbahn des John F. Kennedy-Airports.