Die in Lebenshilfe versierte Welt am Sonntag mag nicht mitmachen bei der allseits verbreiteten Mäkelei am Mittelmeer. Die „Fäkalstorys“ möchte die Zeitung der Konkurrenz überlassen, den Nörglern und Meerbeschmutzern. Denn was bitte, fragte kürzlich das Ressort Modernes Reisen unter dem handfesten Stichwort „Praxis“ (wohl um den Satire-Verdacht auszuräumen),’ was nützen „den 100 Millionen Touristen, darunter 22 Millionen deutschen“, die ans ‚mare monstrum‘ fahren, die Schmutzgeschichten unter dem Motto: „Geht bloß nicht ins Wasser?“

Die Kollegen haben hingegen detaillierte Hilfen, „Badetips für Bakterienbrühen“, erarbeitet: „Modernes Reisen, auch bei schmutzigsten Tatbeständen (430 Millionen Tonnen Müll werden jährlich ins Mittelmeer gekippt) immer um praktischen Rat bemüht, gibt acht Tips für sauberes Baden im schmutzigen Mittelmeer.“

Der saubere Service rät beispielsweise: „Meiden Sie große Städte, große Flußmündungen (abschreckendste Beispiele: die Rhone, der Ebro, Po), die Häfen und Industrieanlagen.“ Oder: „Auch einzelne Häuser und Strandhotels, so romantisch sie aussehen können, leiten Abwässer und Fäkalien oft direkt ins Meer (mit Vorliebe in der Mittagszeit, wenn die Pensionsgäste beim Essen sind). Also: Vorsicht bei Hausstränden!“

Schließlich: „An überfüllten Stränden, wo Kinder (und auch Erwachsene) still bis zum Bauch im Wasser stehen, gelangt oft mehr Urin ins Meer als abgebaut werden kann. Also: Nicht vorne bleiben!“ Derart vitale touristische Lebensäußerungen sind ja bekannt, deshalb zieht’s uns auch sogleich hinaus ins offene Meer.

Falsch: „Weiter ins Meer hinausschwimmen nützt leider auch nichts. Denn in Entfernungen von 300 bis 1000 Metern enden meist die Abflußrohre der Badeorte. Sie kommen in den Dreck, den Sie vermeiden wollten.“

Unfähig, im Urlaub das ausgewogene Baden zwischen der Urin-Grenze am Strand und der Fäkalien-Scheide auf offener See genau zu bestimmen, war unsere ganze Hoffnung auf die letzten beiden Tips gerichtet. Da erfuhren wir freilich nur, daß vor „braun und grün bewachsenen Steinen“ Vorsicht anzuraten sei und auch Badegefahr bei „Anglern, Fischen und Vögeln“ lauert („Abwässer mit Speiseresten“)!

Etwas verstört wollten wir den sauberen Mittelmeer-Artikel schon beiseite legen, da – wir atmen auf – fällt unser Blick auf ein Postskriptum der Redaktion: