Mittelmäßig

„Freitag und Robinson“ von Jack Gold. Wer kennt nicht den tapferen Robinson des Daniel Defoe, der mutig alle Gefahren auf seinem Eiland besteht und den armen Wilden aus den Klauen der Kannibalen befreit. Gold nun erzählt die Geschichte einmal andersherum, nicht aus der Sicht des bürgerlichen Abenteurers, sondern aus der des – einer anderen Kultur entstammenden – Schwarzen, der plötzlich in die Fänge eines schießwütigen, eigentumsfixierten und unnützen Zivilisationsgütern anhängenden Robinson gerät. Aus dieser „verkehrten“ Perspektive entsteht eine Satire auf Kolonialismus und Bildungsbürgertum des weißen Mannes, die jedoch, bis auf den wirklich komischen Peter O’Toole als dumm-dreisten Robinson, ziemlich plump gerät und nur mäßig amüsiert, zumal sie sich des Klischees vom glücklich singenden Eingeborenen allzu ungebrochen bedient. Manuela Reichart

„Mission Galactia: Angriff der Zylonen“ von Vince Edwards und Christian I. Nyby II ist die zweite Film-Version (im dröhnenden Sensorround-Verfahren) einiger weiterer Episoden aus „Battlestar Galactica/Kampfstern Galactica“. Da diese bisher aufwendigste amerikanische Fernsehserie (Produktionskosten: eine Million Dollar pro Sendestunde) ob geringer Zuschauerfrequenz in den USA bereits wieder vom Bildschirm verschwunden ist, darf man auch bald die dritte Kino-Kurzfassung erwarten. Sie wird sich wohl kaum von den vorliegenden unterscheiden. Denn Autor/Produzent Glen A. Larson („McCloud/Ein Sheriff in New York“) hat bei diesem Weltraum-Western eine alte (Serial-) Western-Devise befolgt: „Man wechselt nicht das Thema, man wechselt das Pferd.“ Das neue Pferd (Raumschiff), das sich hier der alten Mähre Galactica zur Seite stellt, heißt denn auch treffend Pegasus. Das Thema ist dasselbe: der Überlebenskampf der menschlichen Rasse gegen metallene Roboter. Auch die Namen der Helden beschwören Vergangenes, schlagen gar den Bogen vom Alten Testament (Adama und Cain) zur: griechischen Mythologie (Apollo und Cassiopea). Nur Trickspezialist John Dykstra greift nicht so weit zurück. Er rekapituliert seine Tricks aus „Krieg der Sterne“. Gerade sie wirken am vertrautesten. Denn durch die endlose Wiederholung gewinnen die ewig gleichen Start- und Kampfszenen der Raumschiffe denselben Stellenwert wie ein Sturz vom Pferd im Western. Man sieht sich satt Helmut W. Banz

Ärgerlich

„Unmoralische Engel“ von Walerian Borowczyk. Drei Frauen bringen in drei Episoden ihre jeweiligen Liebhaber beziehungsweise Vergewaltiger auf je verschiedene Weise um: Die eine reicht rasches Gift, die zweite läßt ihn am Strick baumeln, und für die dritte erledigt es ein rassiger Dobermann – mit sicherem Biß entmannt der gleich zweimal. Bis es dazu kommt, schwelgt der Film in „Männerphantasien“: Frauen werden in bekannter Manier einfach „genommen“, und die Lust des Vergewaltigers muß zweifelsfrei auch die des Opfers sein; außerdem: zur Abwechslung mal nicht Leda mit dem Schwan, sondern eine halbwüchsige Sinnliche mit ihrem weißen Kaninchen. Der Film bedient sich jedoch nicht nur sexistischer, sondern zudem rassistischer Muster: Der eine Vergewaltiger ist ein tumber Musical-Schwarzer. Und Homosexuelle sind natürlich auch nicht vergessen worden als dankbare Opfer des Gelächters. Kein gewalttätiger Erotiktraum des weißen Mannes, den Borowczyk ausgelassen hätte. Porträtiert werden diese gleichermaßen schwülstigen wie brutalen Spiele, im soften Herrenmagazinstil eines David Hamilton. Bleibt die Enttäuschung über einen Regisseur, der in den sechziger Jahren zu den bedeutenderen gehörte und über den Filmverlag der Autoren, dessen Name bisher als Synonym für anspruchsvolle Filme galt. Manuela Reichart

Empfehlenswerte Filme

„Halloween – Die Nacht des Grauens“ von John Carpenter. „Die Ehe der Maria Braun“ von Rainer Werner Fassbinder. „Woyzeck“ von Werner Herzog. „Ein komischer Heiliger“ von Klaus Lemke. „In der Glut des Südens“ von Terrence Malick. „Die Herde“ von Zegi Ökten. „Armee der Liebenden“ und „Tally Brown, New York“ von Rosa von Praunheim. „Du wirst noch an mich denken“ von Alan Rudolph. „Die Blechtrommel“ von Volker Schlöndorff. „Der Mann aus Marmor“ von Andrezj Wajda (siehe Seite 30). „Die Abfahrer“ von Adolf Winkelmann.