Kolumbiens „Smaragdküste“ ist für Europäer ein preiswertes Karibikziel

Von Hans Dieter Kley

Amerika müsse eigentlich Colombia heißen, meinen die Kolumbianer, habe doch der italienische Seefahrer und Kartograph Amerigo Vespucchi weniger Verdienst an der Entdeckung der Neuen Welt als Christoforo Colombo. Nach ihm wurde die Republik an der Nordwestecke Südamerikas benannt. Kolumbien ist heute nur noch ein Rumpfstaat dessen, was einst Großkolumbien war; Venezuela, Ekuador und Panama gehörten dazu. Doch immer noch können die Kolumbianer von ihrem Land behaupten, daß es alle Landschaften des Kontinents vereinigt, sowohl das tropische Dschungelland am Amazonas wie die Bergwelt der Anden, Trockengebiete ebenso wie Palmenstrände. Als einziges Land Südamerikas grenzt Kolumbien an zwei Meere – an den Pazifik und an die Karibische See.

Der geschichtsträchtigere und schönere Teil ist die karibische Küste. Deren Hauptorte sind Baranquilla, die moderne Hafenstadt am Magdalenenstrom, Cartagena und Santa Marta. Kolumbien ist bei uns nur für seine milden Kaffeesorten bekannt, die „kolumbianische Riviera“ aber muß von Europäern noch entdeckt werden. In dem Dreigestirn der Städte ist Cartagena ein Kleinod von exotischer Buntheit, eine Stadt, die den Zauber der Vergangenheit wie nur wenige Städte jenseits des Atlantiks bewahrt. Cartagenas Naturhafen diente in der Kolonialzeit den Spaniern als Sammelplatz ihrer Galleonen. Hierher brachten sie Negersklaven aus Afrika, und hier stapelten sie das in den Indioreichen Süd- und Mittelamerikas erbeutete Gold. Und das lockte englische, französische und holländische Piraten an wie Blut die Haie.

Zum Schutze Cartagenas bauten die Spanier die Festung San Felipe. Dieses gewaltige Bauwerk hat in Amerika und selbst in Spanien nicht seinesgleichen. Wie ein künstlicher Berg erhebt es sich über dem Hafen. Auf den Festungswällen können die Pferdedroschken bequem auf- und abfahren. Das Innere ist ein genial angelegtes Labyrinth von Schatzkammern, Tunnels, Zisternen und Wohngewölben. San Felipe galt in der Neuen Welt als uneinnehmbar.

Ein Meisterwerk der Festungsbaukunst ist aber auch die Stadtmauer mit ihren zahlreichenWachttürmen und Kanonenplattformen. Sie wurde gebaut, nachdem Sir Francis Drake die Stadt überfallen und geplündert hatte. Im Jahre 1741 erschienen die Engländer abermals vor Cartagena, diesmal mit einer Streitmacht von 20 000 Soldaten und dreitausend Kanonen. Der englische Befehlshaber, Sir Edward Vernon, war sich seines Sieges so sicher, daß er eine in London gegossene Bronzeplatte mit sich führte, auf der zu lesen stand: „Spaniens Stolz wurde in den Staub gezwungen. Britische Helden eroberten Cartagena“. Der Angriff der Briten scheiterte jedoch an den Cartagenern und ihrem Festungskommandanten Blas de Lezo. Das Standbild dieses einäugigen, einarmigen und einbeinigen Haudegens erstrahlt nun bei den abendlichen Licht- und Tonvorführungen.

Folterkammer der Inquisition