Wiesbaden

Jimmy, ein Junge von gerade 14 Jahren, schaffte alle: Kindergärtnerinnen, Lehrer, Therapeuten, Polizisten, die Justiz, den Landeswohlfahrtsverband (LWV), Landespolitiker, zwei Ministerien und den selbsternannten Antipädagogen und Kinderschützer Ekkehard von Braunmühl, der sich Jimmy zuliebe sogar ins nächtliche Barleben stürzte.

Jimmy (wir haben seinen Namen geändert) ist im März 1965 geboren. Die Ehe der Eltern war schon kaputt, der Vater mußte in den Knast, später kam es zur Scheidung. Mit drei Jahren bringt Jimmy seine Kindergärtnerinnen zur Verzweiflung. Später wechselt er mehrmals die Schule, bis er in der Sonderschule landet. Er klaut wie ein Rabe, prügelt sich gerne und kommt in Therapie. Mit zwölf Jahren hat ihn die Jugendpsychiatrie in der Mangel. Ergebnis: Er ist gut durchschnittlich begabt, emotional retardiert.

Jimmy kommt in ein psychagogisches Kinderheim. Hier lernt er Braunmühl kennen. Mit 13 Jahren ballert Jimmy auf Passanten. Die Polizei rückt mit einem Massenaufgebot an, weil sie Terroristen vermutet. Jimmy muß die psychagogische Obhut verlassen, wohnt kurz bei dem Kinderschützer und wird der Fürsorgeerziehung übergeben, weil etwa 40 Ermittlungsverfahren anhängig sind.

Aus einem geschlossenen Jugendheim flieht er und landet, durch Braunmühl vermittelt, in der Schweiz. Dort nimmt ihn der Initiator eines Kindersorgetelefons auf. Doch Jimmy klaut weiter, so daß auch der eidgenössische Kinderfreund resigniert und Jimmy Oktober 1978 in Wiesbaden wieder bei Braunmühl unterkommt. Nach einem Einbruch wird Jimmy erneut der Heimerziehung übergeben, wo man ebenfalls resigniert. Als alle Erziehungsversuche gescheitert sind, beauftragt der Landeswohlfahrtsverband Braunmühl, der sich Antipädagoge nennt, mit Jimmys Fürsorgeerziehung und bezahlt ihn auch dafür.

Es folgen turbulente Monate. Jimmy kann die Ohnmacht aller auskosten, denn was immer er tut: Er ist strafunmündig. Er verkehrt in Bars, wirft mit gestohlenem Geld um sich, hält die Leute frei, fährt mit dem Taxi (etwa von Frankfurt nach Wiesbaden für 50 Mark), taucht in der Frankfurter Subkultur von Jugendbanden unter, wohnt mal bei der Mutter, mal bei Braunmühl.

Ekkehard von Braunmühl, der vom „Pädagogenpack“ spricht, Erziehung „Dressur“ nennt, will Jimmy „sich ausverwahllosen“ lassen, eine tragfähige Beziehung schaffen, indem er nicht straft. Argwöhnisch verfolgt das Auge des Gesetzes, was sich da tut. Ein Polizeibeamter rügt nach einem Besuch in Braunmühls Wohnung, daß der antipädagogische Fürsorgebeauftragte rotgeränderte Augen hat und nach Alkohol riecht, weil Jimmy und Braunmühl die Nacht in der Bar „Zum Bumerang“ verbracht haben. Argwöhnisch notiert der Polizist, von Braunmühl gebe zu, mit Jimmy gepokert und sehr oft verloren zu haben.