Mit Racket und Cricket, Schillingen und Schmäh will Österreich im nächsten Jahr Kunden gewinnen. Marketing-Strategen in Wien basteln derzeit an einem völlig neuen Klub-Konzept.

Dieser Tage empfingen Gemeinden wie Millstatt oder Villach, Zell am See oder Bad Hofgastein außergewöhnlichen Besuch: Renommierte Photographen reisten an mit dem Auftrag, Bilder vom sportlichen Leben im Ort zu schießen. Auf ein paar Schilling mehr sollte es nicht ankommen. Der Auftraggeber: die vom schlechten Wetter betroffene österreichische Fremdenverkehrswerbung.

Die Ausbeute der Phototour kann sich sehen lassen: Dias mit Motiven fast aller olympischer Disziplinen. Doch diese wiederum werden nicht in einem Sport-Bildband über die Alpenrepublik erscheinen, sondern auf 24 Seiten eines deutschen Reiseprospekts: Anfang Dezember erscheint eine neue Druckschrift mit dem Titel „Österreich Fan-Club“. Und damit hat das Deutsche Reisebüro (DER) ein neues Programm, es verkauft das rotweiß-rote Angebot exklusiv.

Die Vorbilder dieser für Österreich neuen Offerte sind bekannt: Der Club Mediterranee und Robinson-Clubs standen Pate für die Sportklubs im Trachtenlook. Du Motto der Österreicher lastet: ein Klub mit offenen Grenzen – eben der ganzen Gemeinde.

Seine Mitgliedschaft erwirbt der Gast mit der Buchung des Tickets im Reisebüro. In den (noch nicht festgesetzten) Preisen wird alles inbegriffen sein: An Hand eines Hunden-Punkte-Pakets in Form von Perlen und Bons verspielt man Teile davon je nach Lust und Laune beim Tennis undSquash, Rudern oder Wasserski. Animateure tun ein übriges. Die im Sommer arbeitslosen Skilehrer sollen, nach einem Schnellkurs in Sachen Animation, den Kunden Beine machen.

Die Ansprüche der österreichischen Urlaubemanager sind hoch: Nur jene Gemeinden bekommen werbewirksame KIubdorf-Ehren, deren touristische Infrastruktur vorbildlich ist. Bislang wurden erst zehn Ortschaften akzeptiert, 16 Gemeinden hatten.sich um diese höheren Weihen bemüht. Insgesamt sollen im ersten Projekt 29 Hotels mit 300 Betten angeboten werden.

Klubgerecht wollen die Wiener Werber ihre Kundschaft künftig trotz schlechten Wetters bei der Stange halten mit eigenen Stammtisch-Wimpeln, T-Shirts, Krawatten und einer eigenen Klubzeitschrift. Derlei alpenländische Accessoires hat Österreich bereits vor Jahren seinen Urlaubern angeboten, seinerzeit noch ohne Vereinsbeigabe. Aber damals hatte es ja auch noch nicht soviel geregnet.

Michael Schweizer