Berlin: „Peter Campus“

Wulf Herzogenrath, der Direktor des Kölner Kunstvereins, gehört zu der halben Handvoll Leute, die sich hierzulande von Anfang an (das war vor ein paar Jahren) und mit gleichbleibender Beharrlichkeit für die Video-Kunst eingesetzt haben. Wenn er jetzt Peter Campus, der zu der Handvoll Leute gehört, die sich durch die Benutzung dieses zwischen Photo, Film und Fernsehen angesiedelten Mediums einen Namen gemacht haben, nach Berlin bringt und ihn dort vorstellt, dann ist das eine in sich abgesicherte Veranstaltung. Und ist doch, daran hat sich seit der Video-Zeitrechnung nichts geändert, immer noch ein Programm für die Minoritäten unter den Minoritäten; denn Video ist ein mit den Mitteln des Fernsehens produziertes Anti-Fernsehen, es bietet nicht Zerstreuung, sondern verlangt Aufmerksamkeit. Vielleicht muß Herzogenrath auch deshalb Campus so insistierend als den Künstler der achtziger Jahre, der Zukunft also, beschreiben. Womit aber nur die Mittel, Techniken, mit denen Campus arbeitet, und die Form, in der sich Arbeitsresultate anbieten, gemeint sein können. Die Ausstellung selber (ein dunkler Raum mit zwei feststehenden großen Dia-Porträts sowie einer das Betrachterbild in die Horizontale drehenden Videos installation; ein. Raum mit.Photos; ein Raum mit Vorführungen von Video-Bändern) zeigt, daß Fortschritt eine technische, keine inhaltliche Komponente ist. Die großformatigen Porträts (monumentalisierte und mystifizierte Momente der Ewigkeit) und die Video-Bänder (der Künstler als Darsteller, Schatten, Doppelgänger und schließlich Zerstörer seiner selbst) zeigen, daß Campus von seinem Impetus her ein Expressionist ist. Und wenn man damit das künstlerische Movens meint (und nicht einen Stil), dann ist diese expressionistische Gestik genausowenig ein Historismus wie die Kunst der achtziger Jahre per se Versprechen ist. (Neuer Berliner Kunstverein bis 8. September, Katalog 10 Mark.) Petra Kipphoff

München: „Anthony Caro – Table Sculptures“

Seine frühen, 1959/60 entstandenen abstrakten Plastiken hat er ohne Sockel auf den Boden gestellt und so dem Betrachter ermöglicht, über die am menschlichen Maßstab orientierten Größenverhältnisse eine Beziehung zu den Kunstwerken herzustellen. Die Hand, die mit Gegenständen des täglichen Lebens umgeht, war die Vergleichsgröße für die ersten „Tisch-Plastiken“ – auf der Tischplatte aufliegend, mit den Enden über sie hinausragend oder am Rande nach unten abgeknickt, waren diese Stücke, geformt aus Rohren, Gitterteilen, Handgriffen, ebenfalls Dinge, die allerdings andere in der Präzision und Eleganz des Designs übertrafen. Im Laufe der Jahre (die Serie, 1966 begonnen, umfaßt inzwischen mehr als 400 Exemplare) wurden die Plastiken größer, überschritten das Tischformat, und damit erhielt die Platte, auf der sie ruhten, dann doch wieder die Funktion eines Sockels. Die großen Formate, die eigentlich Bodenplastiken sind, aber nur eine Hauptansicht besitzen, rechnen weiterhin mit nahsichtiger Betrachtung. Nur aus geringer Entfernung erschließt sich dem Auge das aus gekrümmten Ebenen entstehende räumliche Raster der Arbeit, das gleichzeitig aber auch auf Fernsicht angelegt ist. Erst aus einem gewissen Abstand vereinigen sich die Konturen der ineinander verschachtelten Teile zur Silhouette. Die komplexe Struktur der Plastiken, die der Betrachter im Wechsel des Blickwinkels wahrnimmt, gibt der Kunst Caros ihre spezifische Qualität. (Städtische Galerie im Lenbach-Haus bis zum 26. August; Katalog mit Werkverzeichnis 20 Mark) Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen

Aachen: „Sumer–Assur–Babylon, 7000 Jahre Kunst und Kultur an Euphrat und Tigris“ (Neue Galerie – Sammlung Ludwig bis 26. August, Katalog 15 Mark)

Bonn: „Kunst heute in der Deutschen Demokratischen Republik – Sammlung Ludwig, Aachen“ (Städtisches Kunstmuseum bis 5. September, Katalog 15 Mark)