Von Wolfgang Hoffmann

Seit Jahrzehnten zahlen die Bauern aufgrund alter Privilegien weniger Steuern als andere Bürger. Dem Staat gehen dadurch im Jahr zwei Milliarden Mark Steuern verloren. In der vergangenen Woche hat das Bundeskabinett nun einen Gesetzentwurf verabschiedet, der die Besteuerung der Landwirte neu regeln soll.

Des Lesens und des Schreibens sind sie allemal mächtig, rechnen können sie erst recht, wie man weiß. Doch wenn es darum geht, dem Staat wie Millionen andere Bürger auch Steuern zu zahlen, dann stellen sich die deutschen Bauern so dumm an wie es eben nur geht. Nur ganz wenige Landwirte zahlen ordentlich Einkommensteuer.

Dieser Mißstand ist seit langem bekannt; ihn zu ändern, kreißt auch seit Jahren in Bonn der Berg. Was er jetzt gebar, gleicht allerdings der sprichwörtlichen Maus. Der vom Kabinett letzte Woche verabschiedete „Gesetzesentwurf zur Neuregelung der Einkommensbesteuerung in der Landwirtschaft“ ist so gut wie nichts wert.

Von etwa 850 000 landwirtschaftlichen Betrieben sind nur rund 100 000 zur Buchführung verpflichtet. Für die große Masse des Landvolks wird der Gewinn nach Durchschnittssätzen geschätzt und dann besteuert. Dabei sind die Sätze so niedrig, daß etwa 600 000 Bauern überhaupt nicht unter die Steuerpflicht fallen.

Solche Vorteile sind verlockend, und prompt rekrutiert sich aus der Gruppe der buchführungspflichtigen Landwirte eine dritte Klasse; jene, die sich weigert, die gesetzlichen Pflichten zu erfüllen. Mindestens jeder zweite Bauer, der eigentlich Buch führen müßte, läßt sich lieber schätzen.

Nun sind die Schätzbauern keineswegs dümmer als alle übrigen Steuerzahler. Sie sind vielmehr sprichwörtlich bauernschlau. Sich dumm zu stellen, wenn es um Buchführung geht, führt dazu, daß der Nährstand pro Jahr etwa zwei Milliarden Mark Einkommensteuer spart, wie eine Kommission zur Begutachtung der landwirtschaftlichen Einkommen vor einem Jahr die bäuerliche Steuerpraxis quantifiziert hat.