Ein neuer Teuerungsindex soll das Wettrennen zwischen Preisen und Löhnen bremsen

Das Ziel ist klar: Die konservative Regierung der Margaret Thatcher will verhindern, daß das Wettrennen zwischen Preisen und Löhnen wieder heftiger einsetzt und es im Herbst zu Konfrontationen und Streiks kommt. Anlaß zur Sorge hat sie genug, denn die Inflationsrate ist in einem halben Jahr von unter zehn Prozent auf über fünfzehn Prozent gestiegen.

Hilfe soll nun von einer neuen Marschzahl kommen, genannt Steuer- und Preisindex, den die Statistiker auf Geheiß der Regierung jetzt vorgelegt haben. Er ist dazu bestimmt, auf die Lohnbewegung einen mäßigenden Einfluß auszuüben. Der statistische Neuling zeigt nämlich eine geringere Inflationsrate als der etablierte Index der Einzelhandelspreise.

Ironischerweise ist die Regierung der Meinung, daß weder dieser noch irgend ein anderer Index in Lohnverhandlungen eine Rolle zu spielen hat. Der Staatssekretär im Schatzamt, Nigel Lawson, machte die Haltung der neuen politischen Damen und Herren in Whitehall klar. „Lohnverhandlungen sollen die Produktivität, die Gewinnsituation und die Wettbewerbslage des jeweiligen Unternehmens widerspiegeln sowie den Rahmen, den die Geld- und Fiskalpolitik der Regierung steckt.“ Aber selbst diese Regierung, die so viele alte Gewohnheiten in Großbritannien brechen oder abschaffen will, ist realistisch genug anzuerkennen, daß die Übung, in Lohnverhandlungen den Preisindex zur Orientierung für die Forderungen zu nehmen, nicht über Nacht aufgegeben wird.

Steuersenkung berücksichtigt

Mit den alten Gewohnheiten zu brechen, ist hier eine Frage der Gewöhnung. Wenn künftig der altbekannte Einzelhandelsindex vom Arbeitsministerium veröffentlicht wird, dann ist auch das statistische Amt zur Stelle und bietet die letzte Meßziffer seines Steuer- und Preisindex an. Schon wird in Zeitungen von dem „alten“ und dem „neuen“ Index gesprochen.

Die Regierung wird das mit Behagen feststellen, denn es klingt danach, als ob hier ein junger Herausforderer den alten Platzhirsch zu verdrängen sich anschickt. Die Statistiker haben ihn als einen ernstzunehmenden Rivalen konstruiert, folgt man Nigel Lawson. Er nennt den Neuling einen „durch und durch gesunden und statistisch robusten Index“.