New York-Brooklyn, an einem dampfend heißen Nachmittag im Juli: Niemand weint. Carmine Galante, genannt „die Zigarre“, ist tot. Fünf maskierte Mörder haben ihn nach dem Mittagessen in Guiseppe „Joe“ Turanos Pizzeria mit einer MP- und Schrotgewehrsalve exekutiert. Vom Stuhl stürzend, zog der Getroffene die Tischdecke mit einer halbvollen Salatschüssel zu Boden. Mit ihm kam sein sizilianischer Leibwächter Leonard Coppola ums Leben – er brach neben dem ebenfalls tödlich getroffenen Turano zusammen. Einer der Mörder schob dem sterbenden Galante eine Zigarre – sein Markenzeichen – zwischen die Zähne. So fand die Polizei den vielfach vorbestraften Mafia-Don.

Zum erstenmal hatten die New Yorker von einem Killer namens Galante gehört, als ein Unbekannter im Jahr 1943 den Anarchisten Carlo Tresca, den friedlichsten Menschen von Manhattan, auf offener Straße erschoß. Einer von Trescas Freunden, der spätere Herausgeber des Monat, Melvin J. Lasky: „Wir alle wußten, das Tresca in Mussolinis Auftrag ermordet wurde. Der Hitman, so sagte man damals, hieß Galante.“ Wo Tresca begraben liegt, weiß niemand mehr.

Galantes Beerdigung hingegen wird in die New Yorker Mafia-Folklore eingehen: Sein Tod machte ihn unsterblich.

Acht berufsmäßige Leichenbitter tragen Galante in seinem Bronzesarg aus dem Beerdigungsinstitut „Provenzano Lanza“ auf die Straße.

Eine Plakette an der Stirnseite zeigt seine Initialen: C. G. Er war ein Strolch, ein Pornohändler, Drogendealer, und der ehrgeizigste Gangster von ganz New York, doch nicht der Klügste: 1910–1979, R.I.P.

New Yorks Erzbischof hat ihm ein Requiem verweigert; denn Galante, der – so ein Kenner des Milieus – „Gift in die Venen unserer Kinder jagte“, war der böse Mensch von Manhattan.

Blumenberge, ein süßlich-satter Duft vor Lanzas Laden: Nur 59 Trauergäste sind erschienen und mit ihnen einige adrette FBI-Agenten, Bügelfalten, hellgelbe Popelinehosen; Sonnenbrillen allenthalben an diesem schwülen Morgen in Brooklyn: Die Beamten notieren Autonummern und schauen verlegen zu Boden. 17 schwarze Cadillacs folgen dem Leichenwagen – wie die Fähre über den Styx dümpelt die weich gefederte Karosse über die mächtigen Bodenwellen von Brooklyns Boulevards; der Mast ist ein purpurfarbenes Kreuz aus Styropor. Wer so beerdigt wird, hat nicht wirklich gelebt.