Hilft Akupunktur bei Grünem Star? Drei Prozent aller Bundesbürger, die das 45. Lebensjahr überschritten haben, leiden an einem Grünen Star (Glaukom). Bei dieser Krankheit ist – aus unterschiedlichen, meist aber altersbedingten Gründen – der Druck im Innern des Augapfels erhöht. Dies führt auf die Dauer zu irreparablen Sehstörungen: Sehnervenfasern sterben ab, es entstehen Ausfälle im Gesichtsfeld, die Sehschärfe nimmt ab. Neben der Retinopathia diabetica (Zuckerkrankheit des Auges) ist das Glaukom in unseren Breiten die häufigste Erblindungsursache. Wird es rechtzeitig entdeckt und der Druck gesenkt, dann kann die Gefahr abgewendet werden. Da die Krankheit anfänglich keine Beschwerden macht, sind Vorsorgeuntersuchungen besonders wichtig: am sichersten geht, wer anläßlich der Verordnung einer Brille beim Augenarzt den Augeninnendruck überprüfen läßt. Um einen krankhaft erhöhten Druck zu senken, können zum Beispiel bestimmte Augentropfen wie etwa das pupillenverengende Mittel Pilocarpin oder die in jüngster Zeit entwickelten Betarezeptorenblocker (sie hemmen die Produktion des Kammerwassers) regelmäßig aufgeträufelt werden. Wenn dies nicht zu dem gewünschten Erfolg führt, kann operiert werden. Immer wieder wird behauptet, auch durch Akupunktur ließe sich der Augendruck senken. Um zu klären, wie fundiert diese These ist, haben die Würzburger Augenärzte Dr. Sold-Darseff und Professor Wolfgang Leydhecker eine Reihe von Glaukomkranken zusätzlich zur medikamentösen Therapie akupunktiert. Mit feinen Silbernadeln wurden jene Punkte angestochen, die nach der klassischen Akupunkturlehre eine Wirkung aufs Auge haben sollen. Nach insgesamt zwölf Sitzungen konnten die Mediziner keine statistisch signifikante Senkung des Augeninnendruckes feststellen. Bei Glaukomen, so scheint es, nutzt Akupunktur nichts. Kd

*

Der Begriff Wundheilung umschreibt die stufenweise Abdichtung eines Gewebsdefekts gegen die Außenwelt. Im Alter, bei Infektionen oder im Schock ist dieser Prozeß mitunter jedoch schwer gestört. Eine potentiell lebensbedrohliche Situation ist dann die Folge. Jetzt entwickelte ein Erlanger Chirurgenteam gegen solche Wundheilungsstörungen das Konzept der „Fibrinverklebung“ bis zur Therapiereife. Fibrin, ein nicht wasserlösliches, faserartiges Eiweißmolekül, ist ein Baustein im komplexen System der Blutgerinnung. Es blockiert den Blutfluß in defekte Gewebe und schottet das infektgefährdete Areal systematisch gegen den Körper ab – einen Vorgang, den der Organismus im Rahmen der Heilung freilich wieder rückgängig macht (Fibrinolyse). Eben diesen lezten Schritt blockierten die Erlanger Forscher zeitweilig durch den lokal begrenzten Zusatz von Inhibitoren – wörtlich: „Verhinderern“ – der Fibrinauflösung. Solche „Imitierung eines physiologischen Vorgangs“ bringt eine Reihe Vorteile für den Patienten. Blutverluste bei Operationen werden eingeschränkt, Gewebsschäden weiter eingedämmt und die für die Heilung notwendige Bindegewebsneubildung gesteigert. Und schließlich, als direkter Komfort für den bettlägerigen Kranken: Die Wunde läßt sich früher belasten. pj