Die ersten beiden Bücher über die Arbeit der Tänzerin und Choreographin in Wuppertal sind erschienen. Sie widmen sich demselben Thema, umfassen nahezu den gleichen Zeitraum. (1975 bis 1978), stellen nahezu die gleichen Produktionen von Pina Bausch vor und zeigen oft identische Bildsujets – warum hinterlassen sie einen so völlig verschiedenen Eindruck?

Schon die Autoren machen die Verschiedenheit der Konzepte deutlich: Ille Chamier schreibt Lyrik und ist dramaturgische Mitarbeiterin von Pina Bausch; Hedwig Müller und Norbert Servos sind Theaterwissenschaftler. Chamier liefert in ihren poetisch-hymnischen Texten einen Horrmage an die „große Choreographin“. Was der Tanz leistet, vollzieht sie in der Sprache lyrischer Anempfindung verdoppelnd nach, ohne doch die Faszination der Bewegungen und Gefühle auf der Bühne mit Worten einholen zu können. Nicht zufällig zitieren Müller und Servos zu diesem Problem Mary Wigman, die Protagonistin des deutschen Ausdruckstanzes: „Wenn ich mit Worten sagen könnte, was meine Tänze meinen, gäbe es keinen Grund, sie zu tanzen.“ Die Photos von Ulli Weiß gelingen, trotz einiger kunstgewerblicher Ausrutscher, besser. Sie bevorzugt den Ausschnitt, das ekstatische Detail.

Der zweite Band wählt die Distanz, den analytischen Blick, in Bild und Text – und beweist, daß dabei die Faszination durchaus nicht zu kurz kommen muß. Die Photos von Gert Weigelt, der selber jahrelang Tänzer war, orten die Darsteller im Raum: Sie zeigen in der Distanz des weißen Rahmens die Totale, das Segment einer Szene, begründen den Ausdruck. Die Bilder zeigen Ausgesetztsein und Nacktheit darum viel bedrängender als die vorgebliche Unmittelbarkeit in den Photos von Ulli Weiß. Ähnlich der Text von Hedwig Müller / Norbert Servos und ein Interview von Jochen Schmidt. Sie machen choreographische Arbeit transparent, stellen die Produktionen vor einen theoretischen und historischen Hintergrund. Die Autoren bieten Oberlegungen zur „Emanzipation des Tanzes mit seinen eigenen Mitteln“, fragen nach der geschichtlichen Entwicklung vom Ausdruckstanz zum„Armen Theater beschreiben die Reaktion der bundesdeutschen Ballettkritik, analysieren Montage- und Verfremdungstechniken, liefern Biographie, Werkregister und untersuchen die Stücke von „Frühlingsopfer“ bis zu „Kontakthof“. Friederike J. Hassauer

„Setz dich hin und lächle“, Tanztheater von Pina Bausch, fotografiert von Ulli Weiß, Text von Ille Chamier; Prometh Verlag, Köln, 1979; 120 S., 32,– DM.

„Pina Bausch – Wuppertaler Tanztheater“, mit Texten von Hedwig Müller und Norbert Servos, Fotos von Gert Weigelt, Vorwort von Jochen Schmidt; Ballett-Bühnen-Verlag, Köln, 1979; 160 S., 116 Photos, 27,80 DM.