Von Corinna Krabiell

Hitze. Flirrendes Licht. Ab und zu ein leichter Windhauch. Die Blätter der kargen Olivenbäume glitzern silbriggrau in der gleißenden Sonne. Knorrige Feigenbäume, behängt mit prallen, dunkelvioletten oder hellgrünen Früchten, stehen gekrümmt auf verdorrtem Gras. Im Sommer wachsen in der Algarve nur wenig Blumen – hier steht keine einzige.

Kleine, zähe Frauen mit bunten Kopftüchern unter abgetragenen Herrenhüten schlagen gleichmütig mit langen Bambusstangen gegen die Zweige der Mandelbäume. Das eintönige Geräusch hallt weit. Gemeinsam mit ihren Männern, deren wettergegerbte Gesichter melancholische Züge tragen, harken sie die runterfallenden Früchte zu Haufen zusammen und füllen sie in große Körbe. Mandeln gibt es jetzt überall. Zuckerbäckerinnen wie Dona Ana aus Alcantarilha zaubern aus ihnen Gebäck und Konfekt wie „Nonnenbrüstchen“ – weiße Marzipankugeln mit einer silbernen Perle auf der Spitze.

Im Juli und August kann man es eigentlich nur am Wasser aushalten. Erträglich wird es im Lande nur durch schattenspendende Bäume und den stetigen sanften Wind. Hier vermischen sich die Jahreszeiten. Frühling, Sommer und Herbst gehen ohne große Unterschiede ineinander über: Während es im März noch ein paar Regentage geben kann, ist es im Juni oft schon richtig heiß und im Oktober ausgeglichen warm. Frost, geschweige denn Schnee, kennen die Algarvios nicht. Ihr Schnee sind die weißen Blüten-der Mandelbäume im Januar und Februar.

Um das Land ein bißchen kennenzulernen, muß man ein Auto mieten und von der Küste wegfahren, die schön, aber nicht alles ist. Wer nur am Strand liegt, kann nicht behaupten, etwas von der Algarve gesehen zu haben.

Portugals südlichste und kleinste Provinz ist geprägt durch die jahrhundertelange Herrschaft der Mauren. Von Silves aus – die Burg aus dem achten Jahrhundert ist in der kleinen Stadt noch gut erhalten – regierten die Herrscher aus Nordafrika das Königreich Algarve. Ihre Spuren findet man überall. Die Lehmhäuser sind weiß und kubisch, sie erinnern an Dörfer in Marokko oder Algerien. Viele Namen stammen aus dem Arabischen, so auch „elgharb“, was soviel heißt wie „im Westen“.

Die Eroberer aus dem Morgenland kamen im Jahre 711 über die Meerenge und fühlten sich in Portugal wohl, bis sie vierhundert Jahre später von den Christen vertrieben wurden. Noch heute haben die Algarvios wohl mehr mit den Nordafrikanern gemein als mit dem Nachbarn aus Spanien, der so nah und doch so anders ist.