Daß ein touristischer Nachrichtendienst mit der Schlagzeile „Stopp dem Fremdenverkehr“ erscheint, ist gewiß noch eine Ausnahme. Doch der Bericht des Südtiroler touristischen Pressedienstes über die wehrhaften Gsieser Bauern zeigt eine zögernde Tendenzwende an: keine „Erschließung“ der Landschaft mehr um jeden Preis.

Viele haben sicher noch nie etwas von einem Gsiesertal gehört“, schreiben die Tiroler ebenso kokett wie realistisch. Das Tal ist nur über das etwas bekanntere Pustertal erreichbar, bei Welsberg beginnt es in nördlicher Richtung. Fremdenverkehr ist, nach eigener Einschätzung der Ortsansässigen, fast noch ein Fremdwort. Ein paar Pensionen und Landgasthöfe bieten zwar Herberge, aber „das große Geschäft blieb aus“. Dafür, so heißt es, sei die bäuerliche Kulturlandschaft noch intakt und der Dialekt noch unverfälscht im hinteren Gsies.

Mit der Idylle war es hin, als sich die „Gsieser Tal AG“ etablierte. Ihr Ziel ist es, die unmittelbar an der Grenze zu Österreich gelegene Stumpfalm unterhalb der Riesenspitze zu einem leicht zugänglichen Skirevier umzumodeln: „Am liebsten hätte man die Bauern einfach enteignet, sofort sollten häßliche Förderanlagen errichtet und der Schnee für die Pisten plattgewalzt werden. Ein hektischer Winterzirkus war im Begriff, den Frieden auf der Alm endgültig zu zerstören.“

Die Bauern aus dem Gsies meinten, im Hochpustertal gebe es ohnehin schon genug Skilifte für die Wintersportler; ihr trautes Tal solle man gefälligst in Ruhe lassen: „Für einige hätte das Wohlstand gebracht, aber würde das nicht zuviel kosten? Kann man alle gültigen Werte einfach über Bord werfen, nur des Geldes wegen?“

Also machten die Gsiesbauern, flankiert von Naturschützern, den Erschließen klar, daß es bei ihnen auf der Alm keine Bausünden geben solle. „Lieber wollen sie“, so berichtet der Südtiroler Informationsdienst, „einen einfachen, aber um so wertbeständigeren Fremdenverkehr aufziehen und für diese Haltung dürften die Gsieser auf weite Sicht reichlich belohnt werden.“ Insbesondere, wenn Tausende von Liebhabern des einfachen, wertbeständigen Fremdenverkehrs ins Tal einreisen.

Axel Thomas