Was haben wir nicht schon alles Gute über die Autofahrer gehört: Sie schließen sich zu Fahrgemeinschaften zusammen; sie fahren in den Urlaub mit der Bahn; sie mindern ihre Geschwindigkeit; sie überholen nicht mehr so rasant – und was dergleichen Lobsprüche mehr sind. Weitere Opfer zur Öleinsparung verlangen? Bestimmt nicht vom Kraftfahrer. Denn, so der ADAC: „Deutsche Autofahrer haben ihr Sparsoll erfüllt.“

Schön wär’s. Aber der ADAC hat Zahlen für die Dummen gemacht. Er vergleicht den Juli 1979 mit dem Juli 1978: „Insgesamt ist der Benzinverbrauch um 2000 Tonnen zurückgegangen.“ Wieviel Prozent sind das? Der ADAC sagt es nicht. Tatsächlich haben unsere Kraftfahrer im Juli 1978 verbraucht: 1,95 Millionen Tonnen. Davon 2000 Tonnen „eingespart“, das wäre weniger als 0,1 Prozent. In Wirklichkeit aber war der Verbrauch im Juli dieses Jahres 2,07 Millionen Tonnen, sechs Prozent mehr als im Vorjahr.

Und dann leistet sich der ADAC noch ein besonderes Kunststück. „Bei einem um rund sechs Prozent gewachsenen Pkw-Bestand bedeutet dies (Rückgang um 2000 Tonnen, d. Red.), daß Deutschlands Autofahrer im Juli 1979 das vom Bundeskanzler beim Weltwirtschaftsgipfel in Tokio gegebene Sparversprechen von fünf Prozent mehr als erfüllt haben.“

Die Autofahrer haben also das Versprechen, fünf Prozent weniger zu verbrauchen, dadurch erfüllt, daß sie sechs Prozent mehr Autos gekauft haben, sagt der ADAC. Die Wirklichkeit: Sechs Prozent mehr Kraftstoffverbrauch, sechs Prozent mehr Kraftfahrzeuge – also wurde pro Kraftfahrzeug genausoviel verbraucht wie vor einem Jahr.

Also wäre der deutsche Autofahrer durch nichts zu rühren? Da würde man seinen Sinn für Ökonomie unterschätzen. Es zeichnen sich nämlich zwei Entwicklungen ab:

  • Die Kraftfahrer tanken weniger an den (teureren) Autobahntankstellen, dafür genausoviel mehr an den (billigeren) Tankstellen an den Landstraßen.
  • Die Kraftfahrer tanken weniger Super- und mehr Normalbenzin.

Zum zweiten Punkt: Der Übergang von Super- zu Normalbenzin spart kein Öl. Ergebnis: Die so schlauen Kraftfahrer verbrauchen genausoviel Benzin, geben aber weniger Geld dafür aus, etwa ein Viertel der letzten Preiserhöhungen. Die Öleinfuhr, die Lage am Ölmarkt, der politische Druck der Opec-Staaten und unsere Devisenbilanz bleiben unverändert.