Am 8. Juli 1904 wurde in Wien die „Aktiengesellschaft für österreichische und ungarische Mineralölprodukte“ in das Handelsregister von Wien eingetragen. Der Geschäftszweck: „Der Handel mit Petroleum und dessen Nebenprodukten für eigene und fremde Rechnung, insbesondere der Export; die Einlagerung von Petroleum und dessen Nebenprodukten sowie Pachtung, Erwerb und Errichtung von Reservoirs, Magazinen und sonstiger zur Einlagerung und Versendung dienender Anlagen; und die Beteiligung an Unternehmen, die ähnliche Geschäfte betreiben.“

Die Olex, so die Telegrammadresse der neuen Firma, die unter diesem Kürzel auch bekannt wurde, ist der Urvater der Deutschen BP, die soeben ihr 75jähriges Bestehen feierte.

Freilich gab es noch mehr Väter: die 1906 in Berlin gebildete Deutsche Petroleum-Verkaufs-Gesellschaft sowie die im gleichen Jahr in Bremen eingetragene Europäische Petroleum-Union.

Die dreifache Vaterschaft weist nur andeutungsweise auf die Flut von Firmengründungen und -fusionen, auf die Marktreserven und -kämpfe des beginnenden Ölgeschäfts in Europa hin. Schon damals war das Geschäft international, und schon damals war einer der mächtigsten Konkurrenten – neben den russischen Ölproduzenten – die amerikanische Standard Oil, heute als Exxon und Esso bekannter.

Die Konkurrenzkämpfe um die europäischen Abnehmer nahmen zum Teil groteske Formen an. Tankwagen des „Feindes“ wurden von Spähern zu Fuß, zu Pferde oder zu Wagen verfolgt, um die Kunden zu notieren und den Kutscher bei der Arbeit zu stören.

Die Olex, die die Produkte der österreichischen Petroleum-Raffinerien auf den deutschen Markt bringen sollte, mußte bereits 1911 Anlehnung bei der Deutschen Erdöl AG (DEA) suchen, weil die österreichischen Raffinerien sie nicht mehr voll beliefern konnten.

Als nach dem ersten Weltkrieg die Versorgungsbasis der deutschen und österreichischen Mineralölgesellschaften in Rumänien und Galizien verloren ging, mußten sich die Olex wie auch die Deutsche Petroleum Verkaufs-Gesellschaft nach neuen Lieferanten umsehen. Sie fanden die Anglo-Persian Oil Company, Vorläuferin der British Petroleum, die – wie auch die US-Konkurrenz – den Krieg unbeschadet überstanden hatte. Die Briten erwarben zunächst Kapitalanteile bei der Europäischen Petroleum-Union, später auch bei der DEA-Olex-Gruppe. Ein Wettbewerb untereinander, so hatten die beiden Großbanken zudem erkannt, hatte keinen Sinn mehr. Sie legten ihre Ölinteressen zusammen.