Von den 3600 Forint – umgerechnet sind das 350 Mark –, die er im Monat verdient, kann ein ungarischer Arbeiter nicht leben. Er hat deshalb, wie sich inzwischen herumgesprochen hat, in aller Regel einen zweiten Job. Aber der Fremdling, mit Ungarns Bräuchen nicht vertraut, macht sich so seine Gedanken. Wie – so sinniert er – kann zum Beispiel ein Bergmann nach acht Stunden harter Arbeit unter Tage noch einer Nebenbeschäftigung nachgehen?

Daß diese Sorgen um das Wohl des Kumpels unbegründet sind, machte jetzt der Generaldirektor des ungarischen Bergbaus klar. Etwa die Hälfte der Bergarbeiter betreibt nebenher eine kleine Landwirtschaft. Die Folge ist ein vom Rhythmus des Landwirtschaftsjahres abhängiger Krankenstand, der im September und Oktober – zur Zeit der Weinlese also – seinen Höhepunkt erreicht.

Auch die Leistung läßt in diesen Monaten deutlich nach –, dem eigenen Acker gehört offenbar die ganze Kraft. Da sollte man vielleicht eher von Tokaier-Kommunismus als von Gulasch-Kommunismus reden. hgk