Die Reisewelle löst alljährlich auch eine wahre Flut von Diebstählen ans: Das meiste Gepäck wird ans Urlauberautos gestohlen. Willkürliche Rechtsprechung und unklare Versicherungsbedingungen machen doppelte Vorsicht vonnöten.

Besonders bei der Hin- und Rückreise lauert die Gefahr. Hier hat der Reisende dafür Sorge zu tragen, daß für eine „kürzere Zeit“ das Gepäck nicht nur im geschlossenen Kofferraum, sondern auch in der „Fahrgastzelle“ geschützt ist. Der Haken an der Sache: nirgendwo ist festgelegt, wie lange eine „kürzere Zeit“ dauern darf. Das Kammergericht Berlin gewährt diesen erweiterten Versicherungsschutz zum Beispiel „... zur Hauptreisezeit in den Mittagsstunden ... eine Dreiviertelstunde ...“, dem Landgericht München aber ist schon eine halbe Stunde zuviel.

Nicht weniger schwer haben es Fahrer von Kombis, denn diese Fahrzeuge haben keinen verschlossenen Kofferraum. So jedenfalls hat es der Bundesgerichtshof für einen Citroën D 19 Break entschieden. Kombi-Fahrern empfiehlt der ADAC daher, sich auf jeden Fall vor Abschluß einer Reisegepäck-Versicherung zu vergewissern, ob da auch das Gepäck in Kombifahrzeugen eingeschlossen ist.

Nachts – das ist laut Versicherungsbedingungen die Zeit zwischen 22 und 6 Uhr – ist Gepäck auch in einem verschlossenen Kofferraum nicht geschützt. Ausnahme: das Fahrzeug ist unter ständiger Aufsicht. Wie schwer diese Bedingung jedoch zu erfüllen ist, beweist ein Urteil des Landgerichts München. Einer Urlauberin, die nur eine Nacht in einem Hotel verbrachte und nicht das gesamte Gepäck ausladen wollte, half es nichts, daß ihr Wagen hinter einem Schlagbaum auf dem Hotelgelände im Blickfeld des Portiers, der dazu noch aufpassen wollte, ausgeraubt wurde.

Außerhalb des Autos, beispielsweise an Flug- oder Bahnschaltern darf man, laut Berliner Kammergericht, das Reisegepäck nicht mal „Bruchteile von Sekunden“ außer acht lassen. Das Amtsgericht Oberhausen verlangt, daß man das Gepäck in jedem Fall vor sich herschiebt, und das Landgericht München geht sogar soweit, den „ununterbrochenen körperlichen Kontakt zum Gepäck“ zu fordern.

Wichtig in jedem Falle ist es, nach einen Diebstahl unverzüglich bei der jeweiligen Polizei Anzeige zu erstatten, selbst dann, wenn sich dadurch die Heimreise verzögern sollte. Die Versicherungsbedingungen verlangen darüber hinaus, daß man sich auch bei einem fremdsprachigen Protokoll die Mühe macht, zumindest die Daten zu überprüfen.

Seltsam genug, aber zudem wird verlangt, daß man der Versicherung neben der Schadensmeldung alle möglichen früheren Gepäckdiebstähle meldet. Tut man dies nicht, so betont der ADAC, läuft man Gefahr, überhaupt keine Entschädigung zu bekommen.