Noch ist der PLO-Vertreter Abdallah Frangi ein diplomatischer Zwitter

Von Gunter Hofmann

Jahrelang habe die Zeitung kein wahres Wort über die PLO geschrieben, er selber sei als „Terrorist“ dargestellt worden, mit dem die Israelis nach Belieben verfahren könnten. Ab? dallah Frangi hält mit seiner Meinung gegenüber einem Journalisten am Telephon wahrlich nicht zurück. Jetzt also soll er Bild am Sonntag ein Interview mit dem Chef der Palästinensischen Befreiungsbewegung, Yassir Arafat, vermitteln? Er wolle sich das, erwidert Frangi, halb kühl, halb vergnügt, noch ein Stündchen überlegen.

Aber Frangi, Vertreter der PLO in Bonn, weiß schon, was er machen wird. Er hat gesagt, was er denkt. Und jetzt wird er den Interviewwunsch natürlich weiterleiten. Sein Geschäft ist es, die Interessen der PLO zu vertreten – und selbst wenn das mit Hilfe eines Interviews mit Arafat in einer Springer-Zeitung ist.

Für Frangi geht es darum, die Gleichung aufzulösen, die lange Jahre pauschal gelautet hat: PLO ist Terrorismus. Die Befreiungsbewegung will die Rechte des palästinensischen Volkes anerkannt wissen und will selber als legitime Vertreterin dieses neuen Palästina anerkannt werden. Wie schwierig und langwierig dieser Prozeß ist, zumal in Deutschland, weiß Frangi aus Erfahrung. Sein Lebenslauf spiegelt ziemlich genau diese Geschichte der komplizierten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Palästinensern.

Die PLO verspürt Auftrieb. Man merkt das auch Frangi an. Heute ist er ein gesuchter Gesprächspartner hinter den Kulissen in Bonn, ein Vermittler, der dauernd gefragt ist. Nicht jeder, der einmal Leute wie ihn „Terroristen“ genannt hat, will das heute noch wahrhaben. Man braucht diesen Vertreter der PLO. Frangi ist dabei, wenn die Großen wie Österreichs Bruno Kreisky und Willy Brandt oder die Kleinen wie Jürgen Möllemann sich mit Arafat treffen. Man kann getrost davon ausgehen, daß er auch kräftig mitgeholfen hat, diese Zusammenkünfte zu arrangieren. Vor allem das Wiener Gespräch zwischen Kreisky und dem PLO-Chef gilt – da läßt Frangi keinen Zweifel – als eine Zäsur, als ein point of no return im Anerkennungsprozeß. In ein paar Jahren könne er erzählen, wie das zustande kam, heute sei es zu früh, sagt Frangi. Er liebe die „stille Diplomatie“.

Noch ist der PLO-Vertreter, der seit 1970 sein Büro in Bonn hat, ein diplomatischer Zwitter. Abdallah Frangi, nicht akkreditiert, arbeitet für einen eingetragenen Verein, ist ausgerüstet mit einem algerischen Diplomatenpaß, residiert in einem schmucklosen Büro im Haus der Arabischen Liga, ohne Schild und „ohne Fahne“, wie er selber sagt. Für das Auswärtige Amt ist er kein offizieller Gesprächspartner, von dieser Seite zu keinem Empfang geladen; nicht einmal seine Telephonnummer will man in Genschers Haus kennen, nur aus „Courteoisie“ komme man ihm freundlich entgegen. Courteoisie wie für jedermann? Heute jedenfalls grenzt das an Tiefstapelei.