Unbeirrt von der Kritik der Gewerkschaften und der ihnen nahestehenden Unternehmen hat der Zentralbankrat einen weiteren Schritt auf dem Wege zur Einengung der Bankenliquidität gemacht. Diesmal allerdings auf leisen Sohlen, sicherlich auch, um der öffentlichen Diskussion aus dem Wege zu gehen, die eine Aufstockung der von den Kreditinstituten bei der Bundesbank zinslos zu unterhaltenden Mindesreserven zur Folge gehabt hätte.

Wenn sich die Bundesbank darauf besonnen hat, den Lombardkredit der Banken und Sparkassen, also die Beleihung ihrer Wertpapiere, auf seinen eigentlichen Sinn, nämlich der raschen Mittelbeschaffung zur Überbrückung kurzfristiger Liquiditätslücken, zurückzuführen, hat sie einen Weg gewählt, der die Banken zumindest ebenso hart treffen kann wie eine Mindestreservenerhöhung.

Wohlgemerkt „kann“ – nicht unbedingt muß. Denn die Bundesbank hat sich vorbehalten, mit Liquidität in die Bresche zu springen, falls es die Lage am Geldmarkt erfordert. An Zinssätzen bei Tagesgeld von 20 bis 30 Prozent, wie wir sie auf dem Höhepunkt der letzten Restriktionsphase kannten, ist auch die Bundesbank nicht interessiert. Deshalb räumt sie den Kreditinstituten zusätzlich zu den allerdings eingeschränkten Lombardmöglichkeiten noch sogenannte „Pensionsgeschäfte ein, ebenfalls eine vorübergehende Beleihung von Wertpapieren, aber eben auch nur begrenzt und von Tag zu Tag steuerbar. Und dies weitgehend hinter den Kulissen. Daß es nicht ganz einfach ist, mit dem etwas komplizierten Instrumentarium gleich die angestrebten Ergebnisse zu erzielen, haben die ersten Versuche in dieser Woche gezeigt. Ohne Zweifel wird sich das rasch ändern.

Fest steht, daß die Bundesbank den Kreditinstituten über diese Feinsteuerung ihren Willen nachdrücklicher aufzwingen kann, als es bisher möglich war. Fest steht aber auch, daß dies nicht aus reiner Freude am Dirigismus geschehen wird. Geldentwertungsraten von fünf Prozent, wie wir sie jetzt wieder erreicht haben, zwingen die Bundesbank zum Handeln. Ihr Ziel muß es im Augenblick sein, über knapperes Geld die Zinsen steigen zu lassen. Nicht nur, um ein Überschäumen des Bau-Booms zu verhindern, sondern auch, um den Konsum einzuschränken. In ein paar Monaten kann das schon wieder anders sein. Für diesen Fall hat die Bundesbank ein Instrumentarium, Erleichterungen zu schaffen, ohne unerwünschte Signale zu setzen. Das ist wichtig in einer Situation, die unter Umständen einer Feinsteuerung bedarf, ohne daß der Zentralbankrat erst tätig werden muß. K.W.